00:02
So ihr lieben Leute da draußen, herzlich willkommen zurück. Die Ina und ich, wir freuen uns sehr, dass ihr uns nochmal auserwählt habt. Es gibt ja wirklich viel Podcast, die man sich anhören könnte.
00:12
Ja.
00:13
Aber dass man dann bei uns rauskommt.
00:14
Ist eigentlich selbstverständlich, finde ich das. Ja, aber es kann auch nur daran liegen, dass wir immer so fantastische Gäste haben.
00:20
Wer kommt denn heute? Heute kommt Aki Bosse. So, und welchen Song hast du von Aki immer gehört? Na, den wahrscheinlich alle gehört haben, Schönste Zeit. Und Frankfurt Oder ist natürlich auch noch sehr bekannt mit Anna Los. Ja, bei mir ist ja ein bisschen so, wenn ich mit dem rede, dann sehe ich den immer in so einer Leinenhose.
00:38
Mit so Hosenträgern, jonglierend unter so einem Baum. Und da hängt so ein Kerzenleuchter drin mit so echten tropfenden Kerzen. Da springen Kinder rum in so weißen Kleidern. Und das ist wie in dieser Camembert-Werbung in den 80er Jahren. So sehe ich den vor mir. Und der fährt auch ein Lastenfahrrad, für mein Gefühl. Und es ist das Beste. Also das meine ich nicht böse, sondern das finde ich ganz toll. Ich glaube, der lebt ein ganz tolles Leben.
00:59
Ja, das glaube ich auch. Und ich glaube, dass der sehr zufrieden ist mit dem, was er da so macht. Der ist keiner, der irgendwie sagt, oh, Showbusiness, sondern der ist sehr bodenständig. Fragen wir ihn doch einfach.
01:11
Aki Bosse, heute bei den Waffeln einer Frau.
01:15
Mit den Waffeln einer Frau. Ein Podcast von Barbara Diok.
01:24
ist erstens mal wunderbar. Und er macht Musik, die Menschen durchs ganze Leben begleitet. Und mit ganzes Leben, meine ich, von der Wiege bis zur Bahre praktisch. Zu seinen Songs wurden schon ganz viele Kinder gezeugt und sogar schon urologische Eingriffe überstanden. Ach, wir haben viel zu besprechen. Er hat ein neues Album raus, sein zehnt es schon. Und überhaupt ist er ein wunderbarer Mann. Hier ist Axel, genannt Aki, genannt Bosse.
01:46
Hallo.
01:47
Hallo Aki. Hallo. Schön, dass du da bist.
01:50
Danke. Danke für die Einladung.
01:52
Ja, wir haben uns sehr auf dich gefreut und ich kann dir sagen, als du reinkamst, kamen drei Leute aus meinem Team nach hinten zu meinem Schreibtisch gerannt und haben gesagt, der hat uns umarbt und der wusste, wie wir heißen.
02:01
Ja, das stimmt. Habe ich mir irgendwie gemerkt. Wann war ich denn das letzte Mal hier? Vier Jahre oder so?
02:05
Ich glaube, 2022.
02:06
Ja, irgendwie immer noch auch das nette, gleiche Team.
02:11
Ja, das spricht doch für uns, oder?
02:12
Finde ich schon.
02:13
Arbeitest du auch schon lang mit Leuten zusammen?
02:15
In meinem Team sind jetzt, ich war ja gerade auf Tour nachgezählt, wir sind jetzt 52 Leute und es sind alle noch von der Anfangsformation dabei. Außer mein Schlagzeuger, der hat damals ganz viele Kinder bekommen. Und sonst sind aber alle dabei, es sind einfach nur mehr geworden. Genau, das heißt von der Busfahrerin über den Busfahrer bis zu, weiß ich nicht, meinem Gitarristen sind immer alle noch gleich.
02:35
Also berufliche Treue ist was ganz Wundervolles, finde ich. Ich glaube, wenn ich mich umstellen müsste in meinem beruflichen Umfeld, ich würde durchdrehen.
02:42
Das geht mir auch so und ich, also ich weiß nicht, ich habe dann auch das Gefühl, ich habe das damals nicht nach so, wer ist da Profi, also auch so hinter der Bühne. Sondern nach dem Herzen entschieden. Ja, nach dem Herzen entschieden. Und alle sind dann, sage ich mal so, von der Kreisliga jetzt in die zweite Bundesliga mitgekommen. Und das ist irgendwie schön.
02:57
Aber 52 Leute.
03:00
Ja, jetzt auf so einer großen Runde, ja. Ich habe durchgezählt, ich habe es ganz genau gezählt.
03:03
Hast du dann so einen Bruno Mars-artigen Aufbau da hinten oder wie mit so LEDs und Zeug und dann fliegt so Konfetti und Flammen und sowas?
03:11
Ja, Konfetti haben wir, Flammen nicht und LED finde ich irgendwie scheiße.
03:14
Hast du Mollton, oder? Mollton ist auch ein bisschen günstiger.
03:16
Nee, ich hatte so einen silbernen Vorhang.
03:19
Ich glaube, den hatte ich auch.
03:23
Und dann der einzige Special-Effekt, den wir eigentlich hatten, war, dass ich mir eine Leiter im Publikum aufgebaut habe für so einen Techno-Song.
03:29
Ja.
03:29
Und das war's.
03:30
Eine Leiter im Publikum für einen Techno-Song, kannst du es kurz erklären?
03:33
Ja, also wir haben dann wirklich so beim 12. oder 13. Song kommen dann Leute ins Publikum, bauen eine Leiter auf, ich laufe durchs Publikum, steige auf die Leiter und singe von der Leiter mit den Leuten so eine Version im Nebel. Und das war mein einziger Special-Effekt, weil ich irgendwie, in der heutigen Zeit ist so, diese ganze LED, das ganze Geballer, dass das alles irgendwie plötzlich aussieht wie ein KI-Movie. Mir ist das irgendwie zu viel. Und weil ich und meine Band ja immer noch dafür stehen, dass wir nicht einen Computer benutzen und keine Computerprogramme und das alles echt ist, habe ich diesmal so gedacht, ich möchte das gern so echt es geht haben.
04:05
Auf die Spitze treiben und das ist ja eigentlich auch das, glaube ich, was die Leute an dir sowieso lieben. Aber ich hoffe auch, dass insgesamt der Trend dahin irgendwie geht, dass die Leute wieder sagen, da lieber handgestrickt und einer hält hinten was hoch, als dass es so eine Supershow ist, die irgendwie einem vorgaukelt, man würde jetzt zum Mars fliegen oder irgendwie so.
04:21
Finde ich auch, genau. Also Annette, du musst jetzt hinten mit der Fahne wedeln, das ist der Special Effect.
04:27
Ja, aber ist doch cool. Ich dachte schon, du hattest die Leiter, weil du zum Stagediving zu alt bist. Moment, ich komme mal zu euch.
04:34
Nee, da bin ich auch zu alt für. Hast du es dir gemacht? Ja, habe ich gern gemacht. Also habe ich auch letztens erst wieder gemacht auf irgendeinem Festival.
04:43
Wie muss man das vorbereiten? Weil ich stelle mir das nur vor und ich bin mir jetzt gar nicht sicher, wenn ich mich von der Bühne fallen lassen würde, ob da nicht sich das mehr teilen würde unter mir. Verstehst du?
04:51
Die Angst ist natürlich immer total berechtigt, dass man plötzlich auf jemanden springt, der vielleicht nicht so viel Kraft hat oder dass man jemanden verletzt.
04:57
Man springt ja auch, oder?
04:58
Man springt, wobei bei mir ist so, dass ich mich eher so, wie soll ich sagen, sanft reinfallen lasse und dann wird man getragen. Aber ich mache das jetzt auch nicht andauernd, weil ich dann auch immer das Gefühl habe, ey, ich schwitze ja auch wie so ein Hund.
05:09
Ist auch ein bisschen eklig für die Leute.
05:11
Ist eklig für die Leute, genau. Und dann haben die ja dann meinen Schweiß an den Händen und das Tropf von oben runter und so. Lassen sich auch Frauen, also machen Frauen Stage Diving? Durchaus.
05:19
Ich habe ja sehr viel, also meine Brüste, die würden ja dann zuerst mal ankommen bei den Leuten.
05:23
Du würdest vorne rum springen, meinst du? Nee, du musst dich aber drehen in der Luft. Du musst rückwärts, ja.
05:26
Ah ja, okay. Oder sonst ist es ein bisschen, ja, ja, okay.
05:29
Ja, genau.
05:30
Gott, und dann noch drehen? Vielleicht mache ich es lieber doch nicht.
05:32
Du kannst es mal probieren.
05:33
Jetzt beim Fernsehpreis, meinst du, dass das nächste Woche schon mal Iris Berben und die zwei Intendanten, ich habe aus Versehen Iris Berben kaputt gemacht. Ach, das ist sehr schön.
05:44
Ja, ist gut.
05:49
Ja, ich lasse es nicht drauf einkommen. So, wir haben weder Kost noch Mühen gescheut und haben für dich Waffeln und Weingummi besorgt, weil du hast mal in einem Interview gesagt, du bist immer früher mit der bunten Tüte durchs Dorf gelaufen.
06:01
Ich bin eigentlich auch heute immer noch bekannt dafür, dass wenn jemand Naschi hat, so in der Tasche, so offen, dann bin ich das.
06:07
Nashi.
06:07
Ja, schon immer in der linken Jackentasche habe ich immer irgendwie noch einen englischen Weingummi rumliegen.
06:13
Kein Problem damit, wenn da schon so ein paar Krümmel dranhängen und so ein paar Fussel und so, dann kann man das ja nochmal. Ich habe da einen Assistenten, von dem lasse ich mir sauber lutschen und dann…
06:22
Kommst du bitte kurz? Kommst du bitte kurz? Ich war letztens bei mir auf dem Dorf in der alten Badeanstalt und dann habe ich mir da auch Naschi geholt und es war, dann hatte ich so eine Kindheitserinnerung, weil damals, als ich so Kind war, haben die da drin immer geraucht in der Bude und das ganze Naschi hatte immer noch so eine Rauchpatina. So HB oder so. Und das fand ich auch geil, wenn das so lang rumlag und da ist man schon aufs Geschmäckle gekommen im Dorf.
06:46
Was hast du dir für Nachis gekauft früher? Was war dein Favorite?
06:49
Ich glaube, am allerliebsten mochte ich Waffelbruch. Das waren so verschiedene Waffelspezialitäten. Ich glaube, die Abfälle davon in so einem grünen Tütchen. Und die habe ich dann immer gegessen.
06:57
Das ist ja fantastisch. Da bist du ja goldrichtig bei uns. Da bist du wegen des Essens hier und nicht wegen mir. Auf jeden Fall. Und was steht auf deiner Karte drauf?
07:05
Liebe hat nicht ewig Zeit, diese Waffeln auch nicht.
07:08
Oh nein, lieber hat nicht Ibiza ein Zitat aus seinem aktuellen Album.
07:11
Das habt ihr schön gemacht.
07:12
Gut, gell? Wir haben hier Spezialisten, die machen nichts anderes als Musik hören den ganzen Tag. Gut. Ich mag ja Gummibärchen.
07:20
Ich auch.
07:21
Ich könnte auf Schokolade verzichten.
07:22
Ich auch.
07:23
Ja, gell?
07:23
Ja, brauche ich nicht.
07:24
Wenn du jetzt Werbung machen müsstest für irgendwas, weißt du? Mich fragen die tatsächlich manchmal an für Schokolade, weil ich glaube, ich sehe so aus, als wäre ich so ein Schleckermäulchen, was so nachts aufsteht und sich Schokolade holt.
07:35
Nein, du siehst aber glaube ich so aus, als würdest du gut genießen können. Deswegen buchen die dich wahrscheinlich auch gerne für jegliche Genusswerbung.
07:42
Total.
07:43
Ich wurde da noch nie gefragt.
07:45
Aber du würdest es machen, oder?
07:47
Ich weiß nicht, ob ich es machen würde. Kommt da aufs Produkt an.
07:49
Ja, total. Man muss inzwischen so gut nachrecherchieren. Kannst nicht mehr bei allem gleich ja sagen. Man muss dann gucken, ob die mit Zwangsarbeitern gearbeitet haben und ob die in China produzieren und ob die mit Bangladesch was machen und so. Kannst nicht mal einfach zusagen.
08:02
Ja, würde mich jetzt auch die kleine Bäckerei um die Ecke fragen, ob ich da Werbung für machen will. Super gerne.
08:06
Ja, gerade in der Bäckerei, weil du bist ja auch so Bäckerei-affin.
08:11
Ja, also früher, ich hatte nicht viele Möglichkeiten als Kind. Ich wollte so damals Metzger werden oder Bäcker. Ich hatte nicht viele Möglichkeiten als Kind. Als ich drei war, da kannte ich ja nichts. Und da war das dann eben so, entweder ich mache irgendwas mit Kühen oder ich werde Bäcker.
08:25
Ja.
08:26
Zweimal hast du voll gelust. Du machst nichts mit Kühen, außer heute. Ich bin ja auch so, du kleine Kuh.
08:33
Ich liebe Kühe.
08:34
Ich auch.
08:35
Ich habe so Kuh-Patenschaften, die kriege ich immer zum Geburtstag geschenkt. Zahlt man so ein Jahr für so eine Kuh, dass die eben einfach für immer leben kann, zahle ich der Futter und so weiter. Weil ich Kühe so gern mag. Mein engstes Umfeld weiß das.
08:47
Ich finde Kühe, also ich habe Kühe in meinem Bauernhof. Ich habe einen Bauernhof und ich habe Kühe. Und die gehören nicht mir, die gehören einem Bauern sozusagen.
08:56
Und wenn ich da den ersten Tag bin, nach längerer Zeit, dann gehen die so ein bisschen weg und gucken mich an. Und dann kennen die meine Stimme nach einem Tag wieder. Und dann sind die am zweiten Tag zutraulich und dann kommen die. Und dann muss man es aushalten, dass die mit dem Kopf einem wirklich so krass gegen die Hand hauen. Aber ich glaube, die wollen sich nur an einem kratzen.
09:15
Schubbern. Ganz normal. Wenn die Kuh schubbern will, dann hat die Vertrauen aufgebaut.
09:20
Und dann muss man Stand halten. Das ist was ganz Tolles.
09:23
Ich finde das manchmal schon immens, was manche Tiere so für Volumen haben. Also ich finde so ein Kuhkopf, wow, das ist schon.
09:29
Und auch so ein Kuhkörper und auch ein Kuhäuter. Also ich arbeite ja bei RTL, ich kenne große Brüste. Aber...
09:36
Aber ich muss doch sagen, also ein gefüllter Euter, der kann ein bisschen Respekt einfließen. Das stimmt. Du hattest ein Traumwerk aus dem Dorf und auf die Bühne. Was hast du dir denn von der Bühne erhofft?
09:48
Das sind so zwei Sachen. Ich habe mir erstens von der Bühne erhofft, dass ich irgendwie wegkomme und dass ich reisen kann und dass ich viel erlebe und so. Und dann gibt es natürlich noch die Bühne selber. Und dieses Gefühl, das hatte ich einigermaßen schnell, als ich das erste Mal so wirklich Musik gemacht habe, ist eben schon das Gefühl, das eigentlich gar nicht so richtig beschreiben kann, weil das so schön ist. Also auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen mit Leuten, aus der Zeit zu sein, zu tanzen, mit dem Publikum zu interagieren und so, das hatte ich damals sehr früh so als Schlagzeuger angefangen.
10:19
Das hatte ich schon so in der Schulband oder auch im Partykeller meiner Eltern, hatte ich dieses Gefühl, dass Musik mir irgendwie eine riesengroße Freude macht. Entgrenzung. Ja, Exit, mein Adrenalin kickt, ich finde einfach Rhythmus toll und all das. Und das hat mich irgendwie immer froh gemacht.
10:36
Und da war dir auch völlig klar, dass das durch ein betriebswirtschaftliches Studium oder eine Lehre als Steuerfachgehilfe, das nicht das gleiche Gefühl dir verpassen würde, vermutlich.
10:45
Ja, das hatte ich dann schon und das war dann aber auch, glaube ich, in der Pubertät dann auch eher so eine Attitüde oder so eine Lebensphase, in der ich dann wusste, ich möchte das alles auch nicht mitmachen. Also ich rebelliere jetzt, ich habe keinen Bock auf Schule, ich habe keinen Bock zu lernen. Ich schließe mich im Proberaum ein und versuche jetzt wirklich, gute Lieder zu schreiben. Und das habe ich dann irgendwie auch gemacht. Also ich war immer schon sehr fleißig.
11:05
Hast du deinen Eltern Sorgen gemacht?
11:06
Ja, partiell schon, denke ich.
11:09
Die haben gesagt, der Junge, der schneidet die Haare nicht mehr und der trägt ja nur Turnschuhe und so.
11:13
Ja, aber meine Eltern sind cool. Also die haben das schon verstanden und die haben das auch immer komplett respektiert. Und die fanden auch dieses, und ich war jetzt auch gar nicht so ein doller Revoluzzer, weil die wussten eben schon, dass wenn ich was mache, kann man sich so drauf verlassen. Also ich bin ja auch sehr früh nach Berlin gegangen. Und die haben dann schon nicht das Gefühl gehabt, ich nehme jetzt nur Drogen und hänge in irgendwelchen Clubs rum und frage jede Woche nach 100 Mark damals. Sondern die wussten schon, wenn ich irgendwas möchte und wenn ich irgendwas will, dann mache ich das auch. Und deswegen, ich bin glaube ich, wenn es so um Musiker geht, bin ich schon sehr, sehr arbeitsintensiv und strikt und auch streng zu mir selbst.
11:47
Ich trinke keinen Alkohol, ich mache das alles nicht. Ich bin irgendwie wirklich einigermaßen beamtig.
11:53
Meine Erfahrung mit den Erfolgreichen aus dem Geschäft, du kannst auch nicht nur so ein geiler Absturztyp sein, der irgendwie einfach sich nur hingibt und nur in der Musik lebt. Man muss ja irgendwo auch ein bisschen sein Zeug so zusammenhalten. Ich habe erst angefangen Alkohol zu trinken, als ich das Gefühl hatte, jetzt kann nichts mehr schief gehen. Und ich trinke immer noch total wenig und so. Aber trotzdem habe ich erst mal gedacht, es muss erst mal laufen. Und dann kann ich locker lassen irgendwie. Aber ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt mit 21 schon anfange, dann kriege ich das alles nicht so auf die Spur.
12:23
Ging dir das auch so?
12:24
Ja, mir ging das total so. Und ich habe irgendwie, ich weiß nicht, ich finde dann aber auch dieser Moment auf der Bühne zum Beispiel, der kommt ja dem Alkohol trinken und auch dem Drogen nehmen total gleich.
12:34
Und ich habe dann aber einigermaßen schnell auch gemerkt, wenn man dann so verkatert auf die Bühne geht, dann ist das nicht mehr so. Also Alkohol entspricht eigentlich gar nicht dem schönen Rausch, weil der macht dann irgendwie eigentlich das Gegenteil. Und dann habe ich eigentlich einigermaßen schnell mich dagegen entschieden. Und ich glaube aber auch, dass das heute ganz, ganz viele Leute machen, egal ob alt oder jung, um natürlich dem Druck standzuhalten und sich selber. Die alten Themen, die man hat und so. Und ja, manchmal ist es dann schon so, dass, glaube ich, ganz, ganz viele Leute, die so ein Output haben, Kreativen, dass sie natürlich auch ganz viel Schmerz in sich tragen und auch vielleicht ein paar Sachen mehr sehen als andere.
13:05
Und das müssen die dann schon irgendwie vernebeln. Und ja, also mir tut das dann eigentlich immer eher leid, weil ich sehe das alles auch eher so wie so ein Marathon. Also ich habe Bock, noch bis 70 Musik zu machen. Und das kann man, glaube ich, nicht, wenn man sich kaputt säuft oder so.
13:17
Aber das ist ja interessant, dass du das sagst. Ich will jetzt auch gar nicht zu tief in deine Psyche einsteigen, wobei wahrscheinlich legst du die oft auch offen. Aber das bedeutet ja dann, du bist nicht aus dem Defizit heraus und aus dem Ausgleich heraus auf die Bühne gegangen, sondern du hast gesagt, ich habe einfach Bock, das zu machen. Weil viele machen ja Bühne, weil sie Schlimmes verarbeiten wollen oder weil sie immer nicht zum Zuge kamen und das versuchen irgendwie als Ausgleich zu nutzen. War das bei dir nicht so?
13:44
Ne, also ich habe auf jeden Fall nicht dieses, also ich bin auch im Moment immer noch gar nicht so gerne da so ganz vorne mit dabei, also ich finde das auf der Bühne ist es dann immer schon gut, aber ich bin eigentlich eher so auch so ein zweiter Reihe Mensch, ich mag das gerne, also ich muss nicht immer da so vorne weglaufen und mir Applaus holen und so, darum geht es mir nicht. Mir geht es aber darum, dass ich gern schreibe und dass ich ganz, ganz viel schon, glaube ich, fühle und auch viel sehe und ich irgendwie einen Weg gefunden habe, das irgendwie aufzuschreiben. Und das ist natürlich dann die andere Seite des Berufs, dass wenn ich dann da zu Hause rumhänge, dann habe ich schon das Gefühl, dass ich eigentlich ein feinfühliger Mensch bin, der ganz, ganz viel auch zu verarbeiten hat.
14:17
Aber das ist ja auch sehr menschlich, aber ich mache das nicht aus dem Defizit raus, das stimmt.
14:22
Jetzt hast du gerade stabile Poesie geschrieben und ich weiß, dass du es geschrieben hast unter extremen Bedingungen. In Sizilien.
14:28
Ja, das war echt hart.
14:29
In der Wärme.
14:30
Das war echt hart.
14:31
Mit Trüffelpasta.
14:32
Immer noch die Tränen.
14:34
Kann da was dabei rauskommen, wenn das überhaupt nicht wehtut?
14:38
Ja, das stimmt. Ich weiß nicht, ich glaube Sven Regner hat das mal gesagt, oder Markus Wiebusch, die haben immer gesagt, die Ratte muss zurück in den Keller. Und bei mir ist das eigentlich auch immer mein ganzes Leben lang. Ich meine, das ist mein zähltes Album und ich habe wirklich die meisten Alben im Keller geschrieben, in irgendwelchen Proberäumen, in Einzimmerwohnungen in Köln und da auch aufgenommen. Immer auch so mit finanziellen Defiziten und so. Und das war jetzt eigentlich so das erste oder vielleicht das zweite Mal, wo ich das Gefühl hatte, also der Typ, mit dem ich gern arbeite, ist einfach nach Sizilien gezogen und dann bin ich da hingefahren und dachte mir so.
15:06
Gut, dann muss es jetzt eben auch mal so funktionieren.
15:10
Und das Außen hat aber wenig mit dem Innen zu tun und ich fand das manchmal sogar schon echt ein bisschen schlimm, also in Häkchen, weil es natürlich dann schon so ist, wenn man dann schon mal auf Sizilien ist und trotzdem aber dann 18 Stunden arbeitet. Ja. dann tut das manchmal ein bisschen mehr weh, als wenn ich irgendwie in Berlin, Neukölln bin, in irgendeinem kleinen Ministudio, weil ich die ganze Zeit schon das Gefühl hatte, kacke, ich verpasse hier eigentlich gerade den Urlaub meines Lebens und arbeite aber die ganze Zeit.
15:34
Hast du nagelsmannmäßig die ganze Familie dabei gehabt?
15:37
Nee, hatte ich nicht.
15:39
Weißt du, die sind auch jeden Tag mit dir auf Fahrradtouren gegangen und so. Und dann gab es immer drei freie Nachmittage, wo du dich mal der Familie widmen konntest.
15:45
Nee, die waren nicht einmal mit dabei und ich finde das auch in Ordnung. Weil ich dann irgendwie das Gefühl habe, wenn ich das dann mache, dann bin ich einfach auch weg vom Fenster.
15:54
Wenn du mal ein Liebeslied schreibst, denkst du ja vielleicht auch nicht immer an deine Freundin oder Frau, oder?
15:59
Ja, also ich... Musst du nicht beantworten.
16:03
Wenn man mal so ein Lied schreibt, wo man so ganz bestimmte persönliche Gefühle, die jetzt entweder positiv oder sehr negativ sind, dann würde ja derjenige, der dann bis noch gerade mit dir beim Mittagessen saß und Tiramisu gegessen hat und am Nachmittag schreibst du so ein Lied, nimmt man schon irgendwie persönlich dann, glaube ich, als Frau. Ja.
16:18
Ja, also alle wissen, ich glaube, das wissen auch die Leute, die meine Musik hören, dass das natürlich, das sind meistens ja dann sowieso Geschichten. Also ich habe irgendwie aufgehört, mein Privatleben die ganze Zeit zu besingen. Das geht ja auch irgendwann nicht mehr nach dem 10. Album.
16:30
Sophie, kannst du gar nicht bumsen?
16:32
Nee, genau. Und ich habe...
16:33
Habe ich Bumsen gesagt?
16:35
Ich habe es nicht gehört. Bumsi.
16:36
Ja, Bumsi.
16:37
Wie kann man nicht bumsi? Nee, aber was ich finde, das ist mal so, mal so. Aber ich habe irgendwie keine Lust, mein Privatleben in meiner Musik offen zu legen. So finde ich das einfach. Und ich finde, es gibt genug Geschichten, die man erzählen kann.
16:49
Das finde ich ja total interessant, weil ich dachte nur, wenn es ans total Innere geht, dass man dann einen guten Song schreiben kann. Ich kann bei richtig guten Songs nicht mitreden, weil ich habe noch nie so richtig, ich kann keinen guten Song über mich schreiben. Ich kann sowieso nicht irgendwas machen, wenn es um mein Innerstes geht.
17:04
Ja, du kannst aber schön singen und du hast auch schon schöne Platten gemacht.
17:07
Total. Aber ich könnte nicht so mein Innerstes nach außen krempeln, weißt du?
17:13
Ja, aber es ist mir noch nie passiert, dass wenn ich jetzt ein Lied geschrieben habe über den Tod einer engen Person, dass mich jemand gefragt hätte, wer ist das? Sondern die Leute sehen ja sowieso immer nur sich. Oder meistens auf jeden Fall. Und ihre eigene Biografie und ihre eigene Geschichte. Und wenn ich ein Lied schreibe über das Vermissen, dann werde ich nicht danach gefragt, wen vermisst du denn gerade? Sondern das ist dann eben ein Lied über das Vermissen. Ich mag das eigentlich gerne an der Musik und auch gerne am Schreiben. dass die Leute eigentlich nie wissen, was ist von mir und was ist von, und was ist in meinem Kopf.
17:42
Ja, das finde ich manchmal schwer als Zuhörer oder auch als Leser. Ich habe letztens ein Buch gelesen von jemandem und ich habe mich so damit identifiziert und war so nah dran an diesem Protagonisten im Buch, dass ich den aus Versehen verwechselt habe mit dem Autor. Und dann habe ich den Autor getroffen und habe ich den die ganze Zeit gefragt, wie das war, als er das und das und wie er sich gefühlt hat, als er so und so. Dann hat er gesagt, das bin ja nicht ich, das ist ja nur der Typ im Buch. Und ich so, ja gut, aber das ist ja... Ich war total entsetzt, dass das nichts mit ihm persönlich zu tun hat.
18:11
Na guck mal, jetzt gerade hier, wo auf der Waffe Liebe hat nicht ewig Zeit steht, das ist der Opener des Albums und da geht es darum, dass man sich committet und ich finde, das ist ein großes Thema oder eben auch nicht committet und ich finde, das ist ein ziemlich gesellschaftliches Thema und so gehe ich die Sachen nicht an. Also ich gucke mich um. Und fühle dann irgendwie in meinem Bekanntenkreis und meinem Freundeskreis und auch sonst so, dann merke ich eben krass, wie schwer es den Leuten fällt, sich zu entscheiden. Wie schwer es ist, als Mensch loszulassen und sich aber auch zu committen und zu sagen, okay, lass uns das jetzt machen und so. Und darum geht der erste Song. Das hat dann wirklich reichlich wenig mit meinem Leben zu tun.
18:43
Aber trotzdem ist es ja ein relevantes Thema und ich fühle das dann. Und dann kann ich das dann so schreiben, als wäre ich das. 100%.
18:49
Und trotzdem ist man ja in so einer, ich sag mal, Bubble oder in so einer Gruppe von Leuten, wo so bestimmte Themen gerade vorherrschend sind. Kannst du dich noch erinnern? Es gab doch mal die Zeit, da haben alle versucht, also erstmal hat man gefeiert, dann war man verliebt. Und dann hat man versucht, ein Kind zu kriegen. Und dann hat man ein Kind gekriegt. Und es ging eine Zeit lang, ich weiß noch, es ging nur um PDAs und Dammriss und ich weiß nicht was und Reha und Zeug und Bauch weg und Beckenbodengymnastik und so. Also es gibt so Themen, die dann plötzlich alle haben.
19:17
Beckenboden ist auch wichtig.
19:19
Ja, gut, dass du es ansprichst.
19:20
Wollte ich gerade noch mit dir gleich drüber sprechen. Gehe ich davon aus, wenn du das sagst, dass dein Beckenboden gut trainiert ist?
19:28
Ich habe offenbar gelesen, dass der Beckenboden wichtig ist.
19:30
Ja, gut, dass wir trainieren. Also ich glaube auch.
19:33
Muss man trainieren.
19:33
Und übrigens wird es immer so in die Frauenrichtung geschoben. Ich glaube, für die Männer ist das auch total wichtig.
19:37
Wichtig, müssen wir trainieren, alle.
19:39
Ja, sonst, ich könnte genau da drauf zeigen, wo man es reinziehen muss, sozusagen. Können wir später noch machen.
19:45
Alle Lebewesen sollten den trainieren.
19:47
Ja, alle Lebewesen. Was würdest du sagen, ist in deiner Gruppe, in der du momentan lebst, oder die Menschen, die dich umgeben, was würdest du sagen, sind die großen Themen?
19:56
Rechtsruck? Also rein gesellschaftlich ist das, glaube ich, so das vorherrschende Thema. Dann ist, glaube ich, das Thema digitale Gewalt, KI-generierte Musik.
20:06
Bei uns Moderatoren auch. Ja, auf jeden Fall.
20:09
Ja, klar, bei allen. Und dann, genau, das dazu und sonst, weiß ich nicht, so in der anderen Richtung, glaube ich, ist es dann schon so, das ist aber das vorherrschende Thema, glaube ich, immer. Wie kann man glücklich werden? Mhm.
20:22
Also wie geht es mir eigentlich? Warum ist das alles so viel? Wie schütze ich mich davor? Wie oft, weiß ich nicht, bin ich in der Natur? Wie passe ich auf mich auf und auf meine Liebsten? Das sind glaube ich so die Themen, die die Leute haben.
20:35
Glaubst du, du hast ein Talent zum Glücklichsein? Ja. Ich auch.
20:38
Habe ich.
20:39
Ich denke mir, wenn man dieses Talent zum Glücklichsein hat, das ist so gemein, weil ich glaube, es ist ein bisschen angeboren. Ich glaube, es ist eine Veranlagung und es ist ganz schön schwer, wenn man das nicht hat, irgendwie annähernd so glücklich zu leben, wie wir das vielleicht können. Weil es ist wirklich eine Veranlagung und wie du auf die Dinge schaust. Es ist vielleicht auch Sozialisation ein bisschen, aber es ist einfach auch sehr viel Veranlagung.
20:59
Ja, voll. Und es ist aber, also bei mir habe ich schon so das Gefühl, dass ich überdurchschnittlich viel Energie habe. Das tippe ich mal bei dir auch.
21:06
Ja, wenn ich krank bin, sind alle sehr erleichtert.
21:08
Ja, auf jeden Fall. Ich bin aber nie krank. Ja, genau. Ich auch ganz selten. Boah, ich weiß gar nicht, wenn ich das letzte Mal krank war. Ich glaube, ich hatte das letzte Mal mal schnupfen, aber sonst bin ich auch nicht krank.
21:16
Ja, aber dann ist es eher so, abends läuft die Nase, dann ist es nachts echt mal so, dass man denkt, jetzt nervt es, aber jetzt läuft meine Nase und am nächsten Morgen ist es wieder weg. So ist es bei mir.
21:24
Ja das stimmt und ansonsten ist es aber schon so, dass man glaube ich diese überschüssige Energie natürlich auch einsetzen kann, um Leute aus seinem Umfeld oder so vielleicht ein bisschen zu unterstützen. Ansonsten glaube ich auch, dass diese überdurchschnittliche Energie irgendwie happy macht und sicherlich aber auch für andere super nervig sein kann.
21:40
Hast du diese Erfahrung auch gemacht?
21:41
Ja, klar.
21:42
Erzähl mal bitte, was ist die Resonanz da aus deinem Umfeld über deine kraftvolle Art mit dem Leben umzugehen?
21:48
Naja, oder sagen wir mal so, da gibt es ja so eine gewisse Schnelligkeit auch, weil ich glaube ich ein paar Sachen schneller mache als andere. Also wenn sich jetzt jemand damit beschäftigt, was ziehe ich an und wie lange dauert das eigentlich morgens? Also wenn ich meine Schuhe zugebunden habe, dann haben andere vielleicht gerade noch... sitzen die gerade noch da und überlegen, wie das alles überhaupt so ist. Und ich glaube, dass bei mir diese Schnelligkeit manchmal, das nervt glaube ich einige.
22:12
Das ist bei mir genau das Gleiche.
22:14
Auch im Job übrigens. Also dass ich dadurch dann ungeduldig werde, weil ich glaube ich schneller in manchen Sachen bin. Und weil ich dann das Gefühl habe, ich kann mich jetzt um die wichtigen Sachen kümmern.
22:22
So, und das ist aber ein Trugschluss. Weil ich mache alles ganz schnell, weil ich dann denke, dann habe ich hinten mehr Zeit zum Leben. Aber das stimmt überhaupt Nicht, weil das Leben mache ich auch schnell. Ich mache alles inzwischen schnell. Ich bin wirklich bei allem so, so, haben wir, check, check. Also da muss man, finde ich, ein bisschen aufpassen. Aber ich finde, in dem, so wirkst du nicht. Also du wirkst ja wie jemand, der sich wirklich an den richtigen Punkten Zeit nimmt. Aber ich neige dann manchmal ein bisschen dazu, das so abzuhaken. Ich habe halt so, also auch meine Jobs, jetzt mache ich das, dann mache ich das, dann mache ich das, dann fahre ich da hin, dann fahre ich da hin und so.
22:54
Also es ist fast so, als würde man, und manchmal denke ich mir, Dass ich so ein Gefühl habe von, okay, geschafft. What's next? Und das ist eigentlich auch nicht richtig. Ich finde, man müsste viel öfter innehalten. Also ich feiere total viel. Ich bin nur Familie. Alle denken immer, ich bin nur Jobber, aber eigentlich bin ich nur Familie. Ich bin nur am See und im Ernst. Also mein Leben ist genauso, wie ich es mir vorstelle. Und trotzdem denke ich mir... Man müsste sich auch für Erfolge manchmal ein bisschen mehr Zeit nehmen. Ich habe noch nie mit meiner Crew oder so gesessen und gesagt, geil, das haben wir jetzt wirklich toll gemacht.
23:26
Jetzt feiern wir das mal oder so, weißt du. Und weiter und weiter und weiter.
23:29
Ja, das Problem kenne ich. Ich habe da manchmal Leute, die mich dann so daran erinnern. Aber ich finde es auch oft in den Momenten dann schwierig. Bei mir kommt das dann immer so drei Wochen später, das... Ja, jetzt kommt ja das nächste, genau.
24:00
Wow, krass, Album Nummer 10, also ganz schön viel Arbeit drin und dann habe ich da so einen kleinen Moment zumindest, dann renne ich weiter. Auf der Bühne hingegen, wenn ich dann in Berlin, weiß nicht, in der Max-Schmeling-Halle, das letzte Konzertspiel von der ersten Tour dieser Platte, Dann habe ich das schon so ein bisschen, weil das dann so ein Ende ist und weil mir das aber auch alles so lieb und wichtig ist und ich dann so merke, okay, hier haben sich gerade 52 Leute die ganze Zeit wirklich doll Mühe gegeben. Und dann habe ich ganz kurz so einen Moment, dass ich dann einmal kurz sentimental werde und ich das wirklich zu schätzen weiß. Das ist dann einmal alles, aber wie gesagt, nach einer halben Stunde ist es dann auch wieder weg.
24:32
Ja, aber so eine Ich finde, dass man sich mal so, das ist ja wirklich sehr psychologisch und ich neige jetzt nicht zur Sentimentalität und ich glaube, es ist total gut, dass man mal sich so eine Sentimentalität gönnt und mal sagen, oh cool, was wir jetzt geschafft haben. Bei mir ist immer so, ich habe immer Angst, also erstmal denke ich dann nicht jetzt zu doll darüber nachdenken, sonst geht es vielleicht weg, weißt du so. Also dass man auch nicht sich so draufsetzen will und geil, was wir geschafft haben, läuft ja geil und so. Und gleichzeitig will man auch sich selber nicht, wie soll ich sagen, ich will dann immer so weiter arbeiten und dranbleiben, sonst habe ich Angst, dass ich so verlottere.
25:05
Ich denke dann sofort, wenn ich irgendwie zu sehr feiern würde oder ich würde abends zu lang sitzen, würde ich mir denken, nee, also das ist jetzt... Jetzt lässt du aber locker so. Und das ist, glaube ich, das kann man sich ruhig mal gönnen. Ich habe so Kollegen, die feiern 15-jähriges Bühnenjubiläum, 20-jähriges Bühnenjubiläum, 25-jähriges Bühnenjubiläum. Da habe ich letztens zu meiner Managerin gesagt, ich habe auch schon 25-jähriges Bühnenjubiläum. Dann sagt sie, ja, aber wir sind keine Leute, die das feiern. Da gibt es Leute, die ziehen ein Jahr lang mit der Überschrift 25-jähriges Bühnenjubiläum durch die deutschen Talkshows.
25:37
Da denke ich mir, ja stimmt, es hätte ja schon mehrere Jubiläen komplett übergangen in meinem Leben.
25:41
Ja, aber vielleicht, also bei dir ist es ja nun wirklich noch nicht vorbei. Und ich finde immer so dieses Gefühl, weißt du was ich meine? Vielleicht ist es manchmal dann auch so, dass wenn man dann diese Feste vielleicht so dolle feiert, dass man so denkt, okay, das könnte jetzt auch mein Comeback sein oder keine Ahnung. Aber wie entspannst du? Das machst du schon mit der Familie und so.
25:58
Total. Also mit Kochen, zu Hause sein, Freunde einladen, Sachen herrichten, aufräumen. Ich mache zum Beispiel sehr gerne so, um den Kamin rum ist immer so, wenn da so wahnsinnig viel zu krümmeln. Also am tollsten ist es, wenn jemand den Toaster umschmeißt und da hast du richtig viele Krümmel auf dem Boden und so. Und das dann alles so wegzumachen und im Staubsauger zu hören, wie die Krümmel da so reingesaugt werden. Das macht mich total glücklich. Mich macht nicht glücklich, Bon Jovi zu treffen und mit denen ein Foto zu machen oder so. Verstehst du? John Bovi? John Bovi, John Bon Jovi.
26:29
Mich interessiert alles das. Also ich finde das auch lustig, weil ich dann manchmal so zurückblicke und dann denke ich mir, wen habe ich alles getroffen, was habe ich alles Tolles gemacht und so. I don't care. Ich meine es im Ernst. Es gibt mir gar nichts. Aber wenn ich mein Album anschaue, was ich über die Sommerferien gemacht habe, da waren meine Eltern, da waren meine Freunde, da haben wir das gemacht, da haben wir Picknick gemacht. Das macht mich glücklich.
26:50
Das hört sich sehr gesund an.
26:51
Ja, ich glaube, das ist auch so. Und ich könnte mir vorstellen, bei dir ist es genauso.
26:55
Ja, das ist voll so. Und der riesengroße Teil ist eben das andere. Wobei ich bei mir schon so sage, das Wort scheißegal ist Blödsinn.
27:06
Das ist dir nicht egal, dein Job. Das glaube ich nicht.
27:08
Nein, mein Job ist mir nicht egal. Aber alles, was ich da erlebe, ist nichts, wo ich jetzt sage, das rechne ich in mein Selbstwertgefühl ein.
27:15
Genau. Ich finde das dann schon bei so Musik machen, weil es dann schon bei etwas schreiben oder beim entstehen lassen, ich finde das ist immer schon so ein langer Prozess und so. Und da habe ich das immer schon so ein bisschen, das liegt mir jetzt nicht so sehr am Herzen wie mein Freundeskreis, aber das ist schon ein riesengroßer Teil von mir.
27:35
Du verbringst ja auch so viel Zeit mit so einem Thema, dann ist ja bei mir nicht so, ich mache ja nur einen Abend und dann weißt du, du hast ja ein Album, das ist ja wie eine kleine Geburt tatsächlich.
27:43
Ja, oder vielleicht sogar wie eine richtig große Geburt. Aua, Aua. Kommt immer so drauf an, ja, ein bisschen Aua und danach, aber schön.
27:50
Aber ich habe bei dir auch immer das Gefühl, dadurch, dass du das so lange machst, du bist doch so mit allen Wassern gewaschen und man kann dich doch überall reinstellen und es funktioniert.
27:59
Ja, ja, ja. Das will ich auch, aber weil ich will ja auch was leisten, weißt du, weil wenn ich jetzt, sage ich mal, mich nicht überall reinstellen lassen würde oder das dann nicht könnte, dann wäre ich ja gar nicht eine gute Moderatorin und ich will dann auch, ich will wirklich auch beweisen dann immer, wenn es dann will ich auch abliefern so. Das mache ich total professionell, aber wenn ich dann nach Hause komme, kann ich wirklich nicht mehr so ganz genau erzählen, was ich mache.
28:21
Wie viele Stunden in der Nacht schläfst du?
28:25
Also ich würde jetzt mal sagen, ich habe die letzten zwei Wochen, weil ich sehr viel gearbeitet habe, nicht mehr als fünf, fünfeinhalb Stunden pro Nacht geschlafen. Ich kann aber auch zwölf Stunden schlafen, aber halt bedarfsorientiert.
28:37
Wie machst du es?
28:38
Ja, auch so. Also wenn ich schlafen kann, schlafe ich. Zwölf kann ich nicht. Vielleicht neun oder so.
28:42
Aber ich bin auch so vier oder fünf ist okay bei mir.
28:44
Dann kannst du leisten.
28:45
Dann kann ich leisten.
28:46
Das ist bei mir auch so. Das ist ein riesen Vorteil gegenüber Leuten, die immer sagen, ich brauche meine neun Stunden. Wir könnten auch Bundeskanzler werden.
28:53
Bei mir ist aber so, ich finde so, wenn es so dreimal nacheinander drei Stunden sind und dann sehr viel Arbeit den ganzen Tag über, dann merke ich, kratzt es schon nach meiner Psyche. Total.
29:01
Und dann, ich habe immer früher gedacht, oh, ich habe wenig geschlafen, das zehrt. Ich merke schon, wie ich ganz dünn werde und so. Und dann habe ich irgendwie so gemerkt, nee, geil.
29:08
Ich schwende da immer eher auf.
29:10
Der Körper hat keine Zeit, den ganzen Scheiß abzubauen. Genau das Gegenteil ist der Fall. So, jetzt ist es soweit. Ja, gute Frage. Ich habe ein Spiel hier. Die Redaktion hat sich Folgendes ausgedacht. Lieber Aki, liebe Barbara, Aki hat Ahnenforschung betrieben und herausgefunden, sein Nachname Bosse bedeutet wohl Zierknopf. Das ist natürlich erstmal niedlich, aber niedlich schützt hier niemanden. Ihr spielt deshalb passend dazu, dich knöpfe ich mir vor. Wir haben verschiedene Aufgaben gesammelt, die man im Alltag gerne mal vor sich herschiebt.
29:41
Vor euch stehen Schüsselchen mit Zettelchen. Bitte zieht abwechselnd und sagt uns ganz ehrlich, wann knöpft ihr euch das vor? Oder macht ihr es sofort? Oder gehört das zu den Dingen, die ihr aufschiebt, bis sie irgendwann Teil der Einrichtung sind? Wir sind gespannt, die zugeknöpfte Redaktion. Ach, wie schön.
29:57
Ich esse mal ein Stück Waffel da.
29:59
Ich lese das erste Ding vor, dann kannst du in Ruhe kauen. Die Weihnachtsdeko im Februar endlich abbauen.
30:04
Boah, muss ich ganz ehrlich sagen, ja.
30:06
Lässt du es so lange stehen, dass der Baum schon keine Nadeln mehr hat?
30:09
Nee, der Baum nicht, aber der ganze Rest war schon lange da, weil ich es irgendwie auch schön fand.
30:15
Die Engel.
30:17
Ich finde ja, so Lichterketten sind was, das kann man immer hängen lassen. Also ich habe so eine Lichterkette am Balkon in Österreich, die hängt das ganze Jahr.
30:24
Die hängt ja auch nicht mehr ab. Ich glaube, ja, also da standen offenbar ein paar Sachen wirklich noch so ein bisschen länger rum.
30:29
Und manchmal gehen die auch so mit dem Rest der Einrichtung so, oder? Ich entdecke dann manchmal noch so, Gott, hier stehen ja noch. Und diese Engel, wir haben diese singenden Engel aus dem Erzgebirge. Wo ist sie da? Aus dem Erzgebirge. Da brauchen sie klöten. Und dieses Orchester. Und da habe ich immer auch gedacht, das ist so kleinteilig. Mach die auch immer kaputt, wenn man die einbaut. Lass die stehen. So, du bist dran.
30:51
Den Rauchmelder mit leeren Batterien austauschen.
30:54
Oh Gott. Weißt du, dass bei mir in jedem Raum liegt ein Rauchmelder abgeschraubt unten auf dem Klavier oder auf dem Schreibtisch und wartet auf Neuinstallation.
31:03
Bei mir ist es so, dass es gibt noch zwei Rauchmelder, wo noch so eine blaue Tüte drum ist, weil ich die noch nicht mal ausgepackt habe. Oh Gott. Und das ist schon sehr lange so. Was ist da oben so blau? Ach, das ist noch der Rauchmelder, der noch nicht ausgepackt wurde.
31:15
Aber ist auch deine Erfahrung, also ein paar Rauchmelder, man installiert die ja alle relativ gleichzeitig und dann ist wirklich innerhalb eines Jahres, sind drei oder vier, haben angefangen zu piepen und zwar immer in der Nacht.
31:25
Ja, ja, ja. Bisschen heiß geduscht wieder.
31:31
War dann Akku leer oder Batterie leer und dann musste man die alle austauschen und seitdem liegen die dann auch jetzt. Das ist auch schon ein paar Jahre her.
31:36
Ja, ist aber gut, dass es die gibt.
31:38
Ja, natürlich ist es gut, dass es die gibt. Total. Das schlechte Gewissen anrufen die Tante, die Mutter, den alten Schulfreund. Schiebst du es auf oder machst du es?
31:47
Mach ich.
31:48
Ja.
31:48
Mach ich. Jetzt nicht mit allen alten Schulfreunden.
31:51
Nee.
31:52
Nee, aber Tante, Mutter, Schwester. Meine Omas leben leider nicht, aber mit denen, das waren noch so die letzten Festnetztelefonate.
31:59
Weißt du noch, früher hat man bei den Omas angerufen, ist man nicht durchgekommen, weil am Sonntag ab 18 Uhr alle die Ferngespräche geführt haben und dann war die Leitung besetzt. Kannst du dich daran noch erinnern?
32:09
Nee, nicht mehr so richtig. Ich weiß nur, dass mein Opa zum Beispiel immer mit seinem Nachnamen rangegangen ist und mit dem Ort, wo er wohnt.
32:19
So ist der immer ans Telefon gegangen.
32:20
Mein Opa hatte gar kein Telefon am Anfang. Also wir reden über vielleicht 1980, 82, 83 sowas. Und da ist der in die Telefonzelle gegenüber gegangen, hat aus der Telefonzelle angerufen. Der hatte keinen Anschluss zu Hause.
32:33
Ich kann mich offenbar auch noch ganz gut erinnern, aber wobei, nee, meine Leute hatten irgendwie dann zumindest schon mal ein Telefon.
32:38
Hatten deine Eltern Videorekorder?
32:39
Die hatten einen Videorekorder, aber viel zu spät.
32:42
Ja, als dann schon die CD erfunden war. Immer zeitversetzt.
32:45
Sehr zeitversetzt. Technisch immer vorne mit dabei. Warte mal, bin ich?
32:50
Ja, du bist dran.
32:52
Die sechs Minuten langen Sprachen darf ich beantworten. Mach ich nicht.
32:54
Nee.
32:55
Hör ich nicht.
32:55
Nee. Hör ich auch nicht in zweifacher Geschwindigkeit, hab ich keinen Bock. Zweifache Geschwindigkeit ist gemein.
33:00
Ja, aber dann ruf mich an, wenn du mich...
33:02
Bist du jemand, der zum Hörer greift und Leute wirklich anruft? Nur.
33:06
Ich habe aber auch so sehr, was soll ich sagen, dicke, grobmotorische Hände. Ich schreibe eben nicht so gerne auf diesen Handys. Du hast wirklich sehr dicke Finger. Ja, auf jeden Fall.
33:14
Es ist ja Wahnsinn, wie bist du so alt geworden mit diesen Fingern?
33:16
Ich habe nicht so lange geschlafen. Die schwemmen dann immer so ein bisschen auf.
33:19
Ach, das ist auch jetzt auch so. Hast du da was drauf tätowiert auf die eine Hand?
33:23
Das habe ich auch schon immer.
33:24
Zeig mal, sind das so Stich? Hast du das selber gemacht in der Schule? Das sind ja nur Streifen.
33:27
Das habe ich selber gemacht.
33:28
Das tut aber wem mit dem Füller da so rein in die Hand.
33:31
Das war ein Verlag.
33:32
Nein.
33:32
Ich dachte, man kann das wegmachen, aber dann ist das so gewöhnlich.
33:35
Aber es sieht wunderschön aus. Danke. Mach dir keine Sorgen. Das Altglas und den Pfand wegbringen. Bin ich ganz vorne mit dabei.
33:42
Ich auch.
33:43
Pfand, ich habe letztens so ganz viele, wir haben so einen Balkon und der ist eigentlich sehr schön und wo man so denkt, der ist so nach vorne zur Straße und da könnte man wirklich, also könnte man auch so Blumen hinstellen oder so Kerzensachen und so.
33:54
Da steht das Pfandgold.
33:55
Das kannst du dir nicht vorstellen, was da steht. Da stehen Müllsäcke, weil der Plastikmüll, wenn der voll ist, wird der auch dahingestellt. Und auch der Papiermüll, da stehen die Kisten, die Kästen mit den Getränken, alles mögliche, haben wir weggebracht. Und da hatte ich 36 Euro Pfand. Ich war so gut drauf, kann ich dir sagen. Ich war so gut drauf. Da dachte ich mir, kann man ja zwei Bierkästen wieder dafür kaufen.
34:15
Auf jeden Fall.
34:16
Das macht mich so glücklich.
34:17
Die Schlange am Pfandaulemann waren alle ganz genervt. Irgendwie habe ich mir in Hamburg so zwei, drei Sachen auf einmal geschaffen, dass ich mir das Dorf so wieder zurückhole. Und früher auf dem Dorf hatten wir so ein Fenske, hieß das. Das war ein Getränkemarkt. Und der hat einfach nur Getränke gemacht. Und das war aber auch so ein bisschen, also es war so Dorfi-mäßig, aber auch so ein bisschen so Phantasialand. Also man konnte so ein paar Sachen sehen. In Hamburg gibt es auch einen Getränkemarkt, die sich so sehr viel Mühe geben. Da fährt oben dann für die Kinder so eine Bahn lang und es gibt überall so Figuren und so. So fliegende Sachen und so.
34:45
Und da bist du häufig.
34:46
Und da fahre ich immer hin und da freue ich mich irgendwie mal so Dorfi-mäßig.
34:50
Ja und dann, ich finde auch zum Beispiel für mich ist ein ganz großer Teil meines Wochenablaufs, die richtigen Flaschen in die richtigen Kisten reinzusortieren. Das macht mich so glücklich. Es gibt ja kleine Flaschen, große, dann das alles zu sortieren und so und dann auch das Mineralwasser da, die richtigen. Ach, ich bin... Ich bin so bodenständig, wirklich. Ich muss selber über mich wundern. Die Zahnarzt kommt... Ich komme sympathisch rüber bei den Leuten. Und es klingt auch nicht so, dass man sagt, das ist jetzt so, dass ich so, falls du versuche, einen guten Eindruck zu erwecken.
35:23
Oder es kommt so nebenbei.
35:24
Du hast das nebenbei rausgehauen.
35:25
Ja, gell? Die Zahnarztkontrolle vereinbaren.
35:28
Immer.
35:28
Machst du?
35:29
Ja, mach ich.
35:29
Zeig mal die Zähne. Sieht gut aus.
35:31
Ist okay.
35:32
Sieht gut aus. Zeig nochmal, geh mal weg vom Mikro. Keine Blombe. Nee, und vor allem auch nicht so extrem gerade. Weißt du, was ich meine?
35:38
Die sind schief.
35:39
Aber gut schief.
35:39
Ja, die sind schief.
35:42
Ich hatte früher sogar so eine feste Klammer mit so einem Bügel.
35:45
Ich auch. Nach hinten rum? Oder nach oben? Ich hatte es oben über den Kopf.
35:48
Gibt's was? Das war das Allerschlimmste. Die haben mich schon Ferdi genannt in der Schule.
35:54
Kein Witz. Einfach so wirklich wie so ein Steigbügel.
35:57
So eine Trense.
36:00
Wie eine Trense. Und dann fällt mir auch ein, dann hatte ich glaube ich jahrelang auch diese Klammerdose. Zuerst eine Lose. In Apfelform. So eine Klammerdose, wo man immer so...
36:08
Und dann hat man das mit so einem Speichelfand rein. Wie das riecht in dieser Dose, das vergisst man auch nie mehr.
36:15
Nee, das war Endzeit. Feste Klammer und so, das haben die alles gemacht und es hat nichts gebracht. Ich hab immer noch so eine unfassbar schiefe Fresse.
36:22
Ja, aber das ist auch ein Teil deines Erfolgs. Ehrlich, das wäre zu viel des Guten, wenn die jetzt auch noch gerade wären, weißt du?
36:30
Ich hab letztens auf einem großen Festival gespielt, das Southside Festival, irgendwo bei Freiburg.
36:35
Weiß ich, waren Freunde von uns, war ganz toll.
36:37
Das war gut. Ja. Und da habe ich mal, als ich das erste Mal da gespielt habe, habe ich auch im Stage Diving gemacht und bin durchs Publikum und zwar von so einer Vivacon Aqua Mülltonne bin ich runtergesprungen und die Leute haben mich getragen und dann habe ich mir beim Singen ein Stück Pfann rausgehauen, habe es im Mund gemerkt und habe es dann runtergeschluckt, aus Versehen.
36:53
Und hast dir gedacht, suche ich morgen.
36:54
Genau, das ist die Stelle hier vorne, die ich mir immer noch, habe ich so.
36:58
Aber man hat keine Husentasche in dem Moment, wo man es nachher reinsortieren kann.
37:02
Ich hatte keinen Kopf dafür.
37:04
Schlucken, schlucken.
37:05
Aber sonst zahlen wir es immer gern.
37:09
Ist gut. Ein tolles Spiel, da erfährt man richtig was. Wenn du jetzt schreibst stabile Poesie, ziehst du dich manchmal auch zu Hause so aufs Poetensein zurück, dass du so sagst, bitte jetzt nicht stören, der Papi arbeitet jetzt gerade, der Papa denkt sich jetzt gerade ein paar tiefgehende Zeilen aus. Und so machst du das manchmal. Hast du diese Ausrede schon mal benutzt?
37:27
Noch nie, kann ich nicht. Ich habe sowas nicht. Ich bin dann, wenn ich so bin, und so bin ich aber auch grundsätzlich nicht, dass ich irgendwie, aber dann, wenn man da so ein Storno-Verhalten hat, allen gegenüber, dann kann man auch gehen. Dann sagt man eben, ich gehe jetzt arbeiten und dann ist man weg. Und ich finde das schon so, dass ich mich manchmal wirklich dolle konzentrieren muss, aber das mache ich dann nicht zu Hause. Also das mache ich dann irgendwo anders.
37:50
Du fährst ja nach Sizilien.
37:53
Ja, aber das ist mir immer ganz geil, wenn man dann in so einer Einöde ist und auch gerade Sizilien im Winter. Oh, herrlich. Da ist ja auch kein Mensch, oder? Gar nichts. Also wir waren in so einem ganz kleinen Ort, weit weg auch von den großen Städten. Sorry, und da war gar nichts, da hat auch nichts auf. Und das ist dann schon so, es war absoluter Herbst, Winter. Das Meer war irgendwie stürmisch. Ich habe in so einer Holzhütte gewohnt, die auch ein bisschen kalt war. Und dann ist das dann schon so. Ich stehe dann um sechs auf, dann ist da ein Klavier, dann ist da ein Rechner, dann arbeite ich, dann schreibe ich, danach gehe ich ins Studio. Dann sind wir noch in irgendeinen Ort gefahren, haben ein paar Streicher aufgenommen. Und dann ist das aber, wie gesagt, 18 Stunden volle Konzentration.
38:26
Aber ich würde jetzt dann, also auch in meinem Freundeskreis würde ich jetzt nie sagen, dass ich jetzt den Poeten raushängen lasse.
38:31
Freunde, ich muss mich kurz konzentrieren. Könnt ihr mal leise sein. Schreibst du manchmal Sätze oder schreibst du manchmal eine Zeile, wo du dir denkst, das war jetzt richtig gut?
38:39
Ja, ich habe das manchmal schon.
38:41
Hast du so einen Lieblingssatz in all deinen Liedern? Gibt es so einen, wo du sagst, da ist mir richtig was gelungen oder das ist mein Lieblingssatz?
38:49
Nee, das habe ich nicht. Ich mag aber gerne, witzigerweise mag ich gerne so Naturbeschreibungen. Das mag ich irgendwie. Also ich habe mal ein Lied geschrieben, Istanbul. Wir laufen durch die Straßen mit den Cafés. Letzte Sonnenstrahlen sagen, bitte nicht gehen. Maronenstände rauchen. Straßenkatzen fauchen. Kann ich mir genau vorstellen. Ja genau.
39:05
Und sowas mag ich irgendwie.
39:07
Sowas Schönes Volles habe ich noch nie gesehen. Küss mich bis der halbe Mond ausgeht.
39:11
Zieh mich durch die dunklen Gassen. Aber es ist meine Fantasie.
39:15
Zieh mich durch die Hände, bis die Muezzine schreien. Ja, so.
39:18
Super. Gut. Das ist okay. Ich war in Istanbul, ich finde mich wieder. Kriegst du viel Fernpost?
39:24
Ja, sehr viel.
39:25
Ehrlich?
39:26
Ja, also postalisch hat es so ein bisschen abgenommen.
39:28
Wie erreichen die Leute dich?
39:29
Na schon, es gibt dann schon eine Mailadresse, da gibt es aber dann nicht so oft Antwort. Aber ich lese alles und sonst ist es natürlich so Insta, TikTok.
39:38
Also du kriegst DMs und die Leute schreiben dir. Und was würdest du sagen, ist so der Haupttenor der Menschen, die dir schreiben?
39:44
Na, wenn die schreiben, dann hat es auch immer eine richtige Bedeutung. Also es ist dann schon so, dass Leute dann eben sagen, boah, mir ging es scheiße und ich habe das gehört und ich habe das nochmal überdacht. Oder sehr viel natürlich auch, ich habe so schön getanzt jetzt bei deinem Konzert und es war mal wieder toll, zwei Stunden raus zu sein. Und sonst aber auch ganz, ganz viel so tiefere Sachen. Also wenn Leute krank sind oder wenn es um Tod geht oder so, dann kriege ich sehr lange und auch wirklich faszinierende Nachrichten teilweise.
40:07
Ich finde, ja. Ich glaube, mit Musik begleitet man ja Menschen in allen möglichen Phasen. Und ich hatte zu Beginn gesagt, auch schon bei urologischen Eingriffen hat deine Musik geholfen. Kannst du uns kurz erzählen, was sich dahinter verbirgt?
40:18
Es gibt so ein paar. Meinst du die Vorhautverengung?
40:22
Ja, die Vorhautverengung meine ich.
40:24
Genau. Das war auch sogar in so einer Live-Sendung hat sich dann, glaube ich, jemand gemeldet und hat dann die Geschichte erzählt. Ja, ich hatte eine Vorhautverengung und ich hatte so Angst.
40:32
Und hast du es geschafft, ohne Operation hast du es weggesungen?
40:35
Ich habe es weggesungen.
40:37
Stell dir vor, die Vorhaut hat sich geweihtet nur durch die Musik vom Aki. Es geht wieder.
40:43
Das war Entspannungsmusik.
40:46
Also wir gehen davon aus, dass die Vorhaut entfernt wurde, aber beim Heilungsprozess warst du zuständig, oder wie?
40:52
Ich glaube auch bei der OP hat er das gehört.
40:54
Ach, sag mal. Und welchen Song hat er gehört von dir?
40:57
Das weiß ich gar nicht mehr.
40:58
So schön. Wie heißt das? Schönste Zeit.
41:00
Schönste Zeit.
41:01
Nee, schönste so. Letzter Tanz. Letzter Tanz. Genau. Letzter Schwanz hat er. Letzter Schwanz. Könntest du dir trotzdem vorstellen, auch im politischen Bereich zu arbeiten? Also das machst du ja eh schon, weil es ist ja politisch, was du machst. Aber könntest du dir vorstellen, auch ein politisches Amt zu übernehmen? Mal irgendwie in der Gemeinde oder im Stadtrat oder irgendwie sowas? Oder dich für eine gute Sache einzusetzen?
41:24
Ja, ich, also für später mal auf kommunaler Ebene könnte ich mir das vorstellen. Ich glaube, ich bin aber eher so, also ich glaube, ich bin für das große Berliner Spiel nicht gemacht. Also ich, also sorry. Wer ist das schon? Ja, weiß ich nicht. Also genau, also ich bin's glaube ich nicht. Es gibt aber so, weiß ich nicht, so Maja Wallstein zum Beispiel, die kommt aus Cottbus, die macht dann manchmal so, und ich finde das eine tolle Politikerin, die da ganz schön stabil dasteht. Und die macht zum Beispiel immer so eine Boller-Wagentour und spricht dann mit den Leuten. Und ich finde das einfach so toll. Und ich glaube eben, dass man gerade in diesem sowohl im ländlichen Bereich, aber auch in kleineren Städten eben, weiß ich nicht, hätte ich schon Bock sowas zu machen.
42:01
Weil ich glaube eben auch, dass Musik natürlich Leute verbindet und zusammenbringt. Und deswegen ist es, das ist jetzt sage ich mal meine 50 Cent zur Gesellschaft, ist natürlich, dass meine Konzerte, das ist ja eine bunt gemischte Hörerschaft. Und die finden sich dann dafür zweieinhalb Stunden zusammen und haben eine gute Zeit und respektieren sich und helfen sich und tanzen zusammen und heulen zusammen. Und ich weiß nicht, ich finde so eine Bollerwagen-Tour, mit Leuten sprechen, ein kleines Fest draus machen, weiß nicht, die macht dann manchmal so, dann wird dann plötzlich gegrillt.
42:31
Ich weiß, da hat man schon ganz viel drüber gehört. Mega geil.
42:34
Überhaupt mit Menschen reden ist ja das Schönste auf der Welt. Also du redest ja mit deinen Songs, aber ich rede ja auch viel so mit Leuten, da denke ich mir immer, ich stelle mir das eigentlich, nämlich das Grundverständnis eines Politikers, zu sagen, ich komme mit Menschen in Kontakt, was ja dann viele gar nicht mehr tun, wenn sie total erfolgreich sind, aber wirklich an der Basis, so mit Menschen reden und einfach so ein bisschen zuhören, was wünschen die sich, was brauchen die, da so reinhören und versuchen, das irgendwie gut dann hinzukriegen, stelle ich mir eigentlich schon einen tollen Job vor.
43:00
Finde ich auch und ich finde das aber auch gerade so, das ist nicht das Allheilmittel, aber ich finde manchmal schon in dieser Zeit, wo so viele Leute ja so einsam sind und das von außen so prasselt und man sich Sorgen macht und so, finde ich ganz oft, dass dieses Leute treffen und zusammen sein und sich austauschen echt wirklich heilsam ist. Also ich empfinde das bei mir seitdem ich lebe so. Ich mag eben Leute und ich rede auch gern mit Leuten und ich höre gern zu und bin irgendwie gern am Start und finde auch andere Lebensentwürfe toll. Ja genau, also mir hilft das auch immer sehr.
43:26
Ach, wie gut, dass du so eingestellt bist, weil das lässt uns hoffen, dass du nochmal zu uns irgendwann kommst.
43:30
Ich komm rüber.
43:31
Kommst rüber, oder?
43:32
Du musst Bescheid sagen.
43:33
Denn jetzt stabile Poesie geht ja schon voll durch die Decke und du bist natürlich gut beschäftigt jetzt. Du machst ja dann ein elftes Album, oder?
43:39
Mhm.
43:40
Okay, dann kommst du wieder und dann erzählst du uns davon.
43:43
Schön so.
43:43
Super. Aki, Bosse, Axel, das war super gewesen.
43:46
Danke, Laura.
43:47
Toll. Ich stelle mir das jetzt so vor. Du hast so ein Fahrrad...
43:51
Wahrscheinlich hast du gar kein Fahrrad, sondern du fährst Porsche GT.
43:55
Du fährst jetzt mit deinem Lastenrad sicherlich nach Hamburg.
43:58
Jetzt gehe ich gleich mit dir runter und gucke, was du für ein Auto hast.
44:01
Du fährst jetzt sicherlich mit deinem Lastenrad nach Hause.
44:03
Genau. Du fährst jetzt bestimmt mit dem Fahrrad zum See. So stelle ich es mir vor, du hast so ein altes Handtuch. Wo du so sagst, das habe ich schon zu Hause. In meinem Kinderzimmer gab es das Einzige, was ich von zu Hause mitgenommen habe. Und dann hast du dir so, vielleicht hast du dir selber was von zu Hause.
44:21
geschnippelt, meinst du? Was glutenfrei ist?
44:25
Nee, nee, nee. Und dann trinkst du aber auch ein kleines Bierchen und zwitscherst dich ein bisschen an und dann kommen ganz viele Freunde und die Frauen sind alle unoperiert, haben so lange Haare und die Kinder haben Locken.
44:36
Ich stelle mir dein Leben vor wie so eine Camembert-Werbung aus den 80ern. Einer jongliert mit so einer Leinenhose.
44:43
So was meinst du? In der Welt war ich es schon mal, aber da war ich glaube ich so 16.
44:47
Einer bricht das Baguette und dann geht man so in den Bressot so rein und dann hängt vielleicht auch so ein Kerzenleuchter unterm Baun, wo so Kerzen drauf und das Wachs läuft so runter und so.
44:56
Ich rieche es. Ich fühle es. Ich rieche es.
44:58
Aber es ist kein Sex in der Luft, weißt du, sondern es ist null.
45:01
Nee, das Gegenteil.
45:04
Nee, das sind zu viele Kinder und so. Für Sex haben wir an dem Nachmittag jetzt keine Zeit dafür.
45:09
Nee, heute geht das nicht.
45:10
Genau, und du musst dann noch aber die Reifen aufpumpen von den Rädern, weil du hast die Luftpumpe.
45:14
Ich muss gleich los.
45:14
Und dann fahren wir alle lachend vom See zurück und fahren nach Hause in so ein Landhaus, was aber nicht überkandidelt ist. Das ist ziemlich baufällig und so. Aber da hängt so eine schiefe Lichterkette, hängt so an der Terrasse und da sind so ganz viele Sträucher und Dinge. Also wenn man bei Helligkeit drauf gucken würde, würde man sagen, hier könnte mal aber einer mit dem Kärcher ran und die Rosenbüsche sind echt nicht in guter Form. Aber nachts, wenn wir zurückkommen vom See, sieht das super aus.
45:38
Barbara, wenn dir kalt ist, nimm dir einfach mal ein Batik-T-Shirt. Das liegt da hinten.
45:43
Nee, nicht Batik. Dafür bist du viel zu geil. Batik hast du nicht. Das ist so eine Strickjacke, aber geil. Kaschmir, weißt du? Das ist Kaschmir. Aber made in Germany.
45:53
Also wir haben es raus.
45:55
Wollen wir so verbleiben?
45:56
Ja, ich habe das Gefühl. Also ich gehe jetzt mal mit runter und gucke mal, wo das Lastenfahrrad geparkt ist. Vielen Dank, dass du bei uns warst. Tschüss, Aki.
46:03
Tschüss, mach's gut.
46:08
So ihr Lieben, habe ich doch gesagt, habe ich euch zu viel versprochen, wir lieben den Aki. Netter Mann, macht gute Musik und ist sehr freundlich und lustig. Ja und mit dem kann man irgendwie, ich glaube mit dem ist so lustig irgendwie, der lässt so alle fünfe gerade sein und dann kann man da auch mal so, weißt du, einfach mal so sitzen und quatschen, finde ich toll.
46:27
Der verbreitet eine Ruhe. Ich bin gespannt, ob das in der nächsten Woche auch wieder so ist. Glaube ich nicht. Mit Matthias Killing.
46:32
Der ist vom Frühstücksfernsehen. Anderer Typ, aber auch gut.
46:36
Ja, aber nicht so ruhig, glaube ich. Nicht so ruhig. Wir werden es herausarbeiten. Und zwar journalistisch, investigativ, wie es unserer Art ist. In einer Woche sind wir verabredet. Ich freue mich auf euch.
46:46
Mit den Waffeln einer Frau. Ein Podcast von Barbaradio. Das Radio von Barbara Schöneberger.