00:01
Ich habe das Gefühl, Friedrich Merz hat eigentlich seine Machtbasis komplett verloren und dass er komplett isoliert ist in der CDU. Also er ist Bundeskanzler, er ist irgendwie CDU-Chef ja auch noch, aber er hat keinerlei Machtbasis. Es gibt kein Zutrauen in ihn, dass er das irgendwie...
00:17
noch gut hinbekommt und auch Thema zweiter Amtszeit sagen die meisten, nee, also bitte nicht. Das ist schon eine sehr, sehr erstaunliche Entwicklung, weil das ja echt wirklich sehr, sehr schnell ging. Er war ja der Kandidat der Basis auch lange. Die Basis wollte immer Friedrich Merz als Parteichef und auch als Kanzler. Und er hat aber halt die Basis und auch die Abgeordneten, die ja von der Basis immer ganz viel hören, in sehr schneller Zeit verloren. Und jüngst sagte mir jemand aus der CDU, Möglicherweise ist dieser Point of No Return auch schon erreicht, also dass er das gar nicht mehr retten kann.
00:53
Friedrich Merz hat den Umbau seiner Regierung begonnen, der nach dem Rücktritt von Fraktionschefin Spahn nötig wurde. Am Mittwochnachmittag wurde bekannt, dass Kanzler Merz und CSU-Chef Markus Söder sich einen Nachfolger für Spahn ausgesucht hatten, und zwar Kanzleramtsminister Thorsten Frey. Das klingt erstmal logisch und gar nicht so aufregend, aber tatsächlich ist das eine Personalie, die für die CDU, Merz und die gesamte Regierung sehr viel verändern kann und ist möglich, dass Merz noch mehrere weitere Top-Minister austauschen wird.
01:24
Möglich zumindest. Über die Machtspiele hinter den Kulissen und ihre Folgen für uns alle spreche ich jetzt mit Alicia Mendtgen. Sie ist Hauptstadtkorrespondentin des Fokus Magazins und damit sehr nah dran an den Unionsparteien und dem Kanzleramt. Ich wollte Sie hier schon länger als Gast. Alicia, schön, dass du da bist.
01:40
Danke für die Einladung.
01:42
Nach welchen Kriterien hat Friedrich Merz den Fraktionschef ausgewählt? Was hörst du von diesen Kreisen, aber auch aus der Partei?
01:50
Das ging jetzt gerade vor allem darum, dass man jemanden da braucht, dem Friedrich Merz auch vollends vertraut. Also das ist ja bekannt, dass Friedrich Merz und Jens Spahn nicht das beste Verhältnis hatten zum Ende. Und jetzt hat er wirklich auch nochmal auf Nummer sicher gesetzt, was auch den eigenen Machterhalt angeht. Also bei Thorsten Frey muss er sich jetzt nicht Sorgen machen, dass er ihm irgendwie... dass er amtsstreitig macht oder ihm gefährlich wird oder nach der Kanzlerkandidatur greift, obwohl Friedrich Metz selber nochmal antreten will. Also ich finde, man sieht an der Personalie ganz klar, ihm ging es nur darum, jemanden da zu haben, den er vertraut und übrigens ja, der auch eine sehr weiße Weste hat.
02:24
Also bei Thorsten Frey ist jetzt nicht bekannt, dass da irgendwie Skandale im Hintergrund sind oder dass er auch selber nicht so wirklich strategisch vorgeht, was die eigene Karriere angeht.
02:34
Jetzt gab es ja ein bisschen Spekulation in den letzten Tagen. Da waren noch ein paar andere Namen genannt. Hat man da hin und her überlegt? Was hörst du? Also ich habe immer mal verschiedene Namen gehört. Also Nina Warken wurde mal genannt, die Gesundheitsministerin Kassen-Linnemann wurde genannt, der jetzige Generalsekretär. War das wirklich so ein Suchen oder war das eigentlich die ganze Zeit klar, wenn Spahn mal nicht mehr da sein würde, dann Thorsten Freiherr?
02:57
Also nach meiner Einschätzung war es schon so, dass Friedrich Merz immer schon auf Thorsten Frei geschaut hat. Das war ja ein offenes Geheimnis, dass Thorsten Frei schon von Anfang an Fraktionschef werden wollte, also schon im Mai 25. Und es gab natürlich die verschiedenen Namen. Da ist jetzt in dieser Schnelligkeit noch nicht ganz klar, für welche Posten die überhaupt dann im Spiel waren oder immer noch im Spiel sind. Also Nina Warken beispielsweise gibt es ja auch Gerüchte, dass sie Kanzleramtschefin werden könnte. Es gibt auch Gerüchte, dass sie das eigentlich gar nicht möchte, dass sie gerne Gesundheitsministerin bleiben will.
03:30
Also das ist irgendwie gerade sehr schwierig zu sagen. Das ist ja auf der Gerüchtebasis. Aber man hat ja auch an der Verkündung von Thorsten Frey gesehen, da hat ja Friedrich Merz oder da war der Spin quasi, wir können jetzt nicht noch mehr Kandidaten oder noch mehr Personal verkünden, weil wir müssen ja die Aufmerksamkeit jetzt auf Thorsten Frey haben. Das ist, finde ich, sehr durchschaubar. Ich glaube, es geht jetzt eher darum, dass dieses gesamte Personaltableau noch gar nicht richtig steht. Also es gibt wohl verschiedene Namen, die man sich vorstellt, wo auch übereinstimmt darüber geredet wird.
04:03
Aber es ist wohl noch nicht so, dass das komplette Tableau steht. Und da muss man ja auch sehr viel beachten, Proports beispielsweise und so. Also das ist wohl noch nicht klar und deswegen konnte er da heute noch nicht so viel zu sagen. Heute dürfte ich nicht sagen, ne?
04:17
Darfst du sagen, darfst alles sagen. Wie ist es, wenn so ein Fraktionschef ausgewählt wird? Also gerade schon gefragt, so die Kriterien, aber was ist da für die Partei wichtig? Was muss der können? Also was ist so...
04:35
Wir wissen ja, dass es die erste große Krise gab, als eigentlich die erste Krise schon bei der Kanzlerwahl, da gab es nicht die notwendige Mehrheit für Friedrich Merz, dann erst im zweiten Wahlgang gewählt. Dann gab es die Richterwahl, da konnte eben nicht für die Mehrheit sorgen. Und man sagt, ein Fraktionschef neben dem anderen muss für Mehrheiten sorgen. Ist das das entscheidende Kriterium?
05:03
Also das ist mit das wichtigste Kriterium vor allem in dieser Koalition, weil die ja nur zwölf Stimmen über den Durst hat. Das heißt, viele Abweichler kann sich diese Regierung nicht erlauben. Und das heißt, ein Fraktionschef muss bestens vernetzt sein. Der muss in alle Parteigliederungen vernetzt sein. Der muss auch in der Lage sein, mal richtig hart durchzugreifen. Also bei Jens Spahn war das ja auch so, dass viele auch sich ein bisschen gefürchtet haben davor. Vor ihm.
05:30
Ja, vor ihm und auch vor dem Team und wie er halt umgegangen ist auch mit denen, die möglicherweise abgewichen sind.
05:36
Wie ist er da umgegangen?
05:38
Naja, es gab ja Berichte damals auch bei dem Rentenpaket beispielsweise darüber, dass mit dem Entzug von Listenplätzen gedroht wurde. Also so durch die Blume wurde offenbar damit gedroht. Aber jedenfalls muss schon ein Fraktionschef auch ohne Sorge davor, die eigenen Leute auch mal vor den Kopf zu stoßen, richtig durchgreifen können. Und das konnte Jens Spahn eben gut. Bei Thorsten Frey ist das eben so eine offene Frage, weil der… Ist so nett irgendwie der Thorsten Frey, oder? Genau, der ist menschlich total beliebt und auch fachlich sehr in den Themen, also in allen Themen ist der ja auch gut drin, dadurch, dass er Kanzleramtschef war.
06:18
Aber die Frage ist halt wirklich, traut er sich dann auch, sich auch mal unbeliebt zu machen? Und als Kanzleramtschef, das wurde mir aus der Fraktion immer wieder gespiegelt, aus der CDU, Cs, aber auch aus der SPD, dass er eher als Moderator aufgetreten ist. Und das geht als Fraktionschef einfach nicht.
06:36
Und Thorsten Frey stand ja immer wieder auch mal in der Kritik als Kanzleramtschef. Also Villa Borsig zum Beispiel, da wurde ihm vorgehalten, dass er das nicht richtig vorbereitet habe. Generell wurde ihm vorgeworfen, dass er im Kanzleramt eben dieses Management nicht so gemacht habe, wie man es sich eigentlich wünscht, dass er lieber in den Medien war, in Talkshows. Warum ist er dann besser aufgehoben als Fraktionschef? Also da muss man ja auch managen und Koalitionsausschüsse vorbereiten und hin und her.
07:03
Ja, da würde ich mal ein Fragezeichen dran machen, ob er da besser aufgehoben ist. Also das muss man erst mal erklären können, das muss Friedrich Merz erklären, warum, wenn jemand das im Kanzleramt nicht so gut macht, das plötzlich als Fraktionschef besser kann. Als Fraktionschef kommt natürlich immer noch hinzu, die Öffentlichkeit, das ist das, was Thorsten Frey gut kann. Also der kann gut Interviews geben, im Fernsehen auftreten, das herrscht er wirklich. Aber bei dem Handwerk, da wird halt an ihm gezweifelt.
07:30
Was ist das Handwerk?
07:31
Das Handwerk beispielsweise, vorauszuschauen, wo es könnten Krisen lauern, welche Passage im Gesetzentwurf könnte bei den eigenen Leuten nicht gut ankommen. Dann schon mal die Gespräche zu suchen, schon mal abzuklopfen. Werdet ihr da Radau machen oder wie kriege ich euch da an meine Seite? Also dieser vorausschauende Blick ist eben sehr wichtig und dann halt auch, ja, sich abends hinzusetzen, mit den Leuten Bier zu trinken, Pizza zu essen und so auch Loyalitäten zu schaffen.
08:04
Das ist auch eben zentral. Und bei Thorsten Frei, der war halt im Kanzleramt ein bisschen auch glücklos. Der hat es natürlich auch nicht einfach, weil auch Friedrich Merz Bundeskanzler ist. Da muss auch jemand sein an der Spitze des Kanzleramts als Kanzler, der auch Lust hat, Aufgaben abzugeben oder der auch sagt, du hast jetzt Prokura für das und das Thema. Ich glaube, das war auch nicht immer der Fall.
08:28
Aber in der Fraktionsspitze wird es nicht einfacher. Und deswegen ist jetzt auch die Euphorie in der Fraktion nicht sonderlich groß. Und wenn man sich noch mal anschaut, auch die Bilanz als erster parlamentarischer Geschäftsführer, die war gut.
08:42
Das war in der Oppositionszeit, da war sozusagen zweiter Mann hinter Friedrich Merz. Das ist so, der parlamentarische Geschäftsführer kommt direkt nach dem Fraktionschef in der Opposition.
08:51
Genau. Und er war ja fast wie so ein Fraktionschef 2.0, weil dann zum Ende der Oppositionszeit musste Friedrich Merz sich ja auch ein bisschen staatstragender geben. Dann war das eher so die Aufgabe von Thorsten Frei, mal so richtig drauf zu hauen auf die Opposition.
09:06
Auf die Regierung, muss man ja sagen. Aber es gab halt zwei Punkte, wo er wirklich auch Fehler gemacht hat. Und zwar einmal im Januar, kurz vor der Bundestagswahl, wo es um die Migrationsabstimmungen ging.
09:20
Die Abstimmung mit der AfD oder zumindest die, man wusste, dass die AfD mit abstimmen würde.
09:26
Genau, da ging es um dieses Zustrombegrenzungsgesetz und der Union war nicht klar, dass die AfD dieses Zustrombegrenzungsgesetz, was die CDU mal selbst eingebracht hat in den Bundestag und was dann halt im Ausschuss verschwunden ist, dass die AfD in der Lage ist, dieses Gesetz nochmal selbst auf die Tagesordnung zu setzen. Und deswegen mussten sie es dann so kurzfristig auch auf die Tagesordnung setzen, was einen riesen Chaos ausgelöst hat. Und Thorsten Frei wäre ja jemand gewesen, der hätte das vorhersehen müssen. Das ist das Erste. Und das Zweite war eben die Kanzlerwahl, die du eben schon angesprochen hast, wo ja auch ein großes Chaos war, weil dann niemand wusste, wie geht es eigentlich weiter nach dem ersten gescheiterten Wahlgang.
10:03
Das wäre auch die Aufgabe von Thorsten Frei gewesen, weil er das hätte zumindest als erster parlamentarischer Geschäftsführer vorbereiten müssen, die ganzen Szenarien, was wäre wenn.
10:13
Du sprichst die Stimmung in der Fraktion, du hast die Stimmung in der Fraktion angesprochen, dass sie nicht so euphorisch sind. Warum? Was sagen dir da die Abgeordneten?
10:20
Naja, die sind halt oder die zweifeln halt daran, dass das jetzt sonderlich besser wird, weil Jens Spahn war ja schon jemand, der zwar nicht sonderlich beliebt war in der Fraktion, nicht menschlich sonderlich beliebt war, aber er war jemand, dem man schon zugetraut hat, der wird tatsächlich für unsere Interessen einstehen und der Er traut sich auch mal dem Kanzler zu sagen, bis hierhin und nicht weiter. Und da ist eben die Frage, macht das dann Thorsten Frei, der ja so eng auch mit Friedrich Merz ist. Also er wird es machen müssen, wenn er die Unterstützung haben will in der Fraktion und er wird auch sicherlich einen Weg finden.
10:54
Aber ich glaube, das dauert halt auch ein bisschen und da sind sie halt so ein bisschen am Zweifeln.
10:58
Gab es da andere, die die Fraktion bevorzugt hätten? Also Alexander Dobrindt wurde zum Beispiel genannt. Das wurde aber schon so eingeordnet, dass ein CSU-Mann eben nie Fraktionschef wird, weil man nur Teil der gemeinsamen Gruppe ist und eben der kleinere Teil und Dobrindt als Innenminister benötigt würde. Aber hast du da gehört, dass das ernsthaft eine Überlegung war oder war das so Medien-Berlin-Mitte-Spekulation?
11:22
Ich denke, das war vor allem eine Spekulation aus der Berliner Blase, weil...
11:28
Markus Söder, der ja auch mit vorschlagen muss, der hat ja keinerlei Interesse daran, dass Alexander Dobrindt Fraktionschef wird, weil da gibt es ja auch schon wieder immer mehr Spannungen zwischen den beiden. Also Markus Söder will eigentlich nicht, dass Alexander Dobrindt noch mächtiger wird, ist meine Analyse. Und Friedrich Merz ist ja auch jemand, der auch sehr verhaftet ist in den alten CDU-Regeln. Und die wichtigste Regel ist, man sollte der CSU nicht noch mehr Macht geben, als sie ohnehin schon hat. Aber es war schon eine sehr erstaunliche Entwicklung, dass halt mit jedem Tag, wo nicht klar war, wer wird jetzt Fraktionschef, wurden quasi die Rufe lauter nach Alexander Dobrindt.
12:07
Was ja echt ein Eingeständnis ist, dass ja viele Abgeordnete offenbar denken, es gibt in der CDU niemanden, der es besser machen kann.
12:14
Verrückt. Und was ist mit Carsten Linnemann, dem Generalsekretär? Auch der wurde gehandelt.
12:18
Der wurde gehandelt, aber das würde ich auch sagen, ist eher Gerüchteküche gewesen. Er hat ja schon mal abgelehnt, ein Ministeramt zu übernehmen.
12:28
Wirtschaft damals.
12:29
Gesundheit ist jetzt meine Information, aber er wollte jedenfalls nicht ins Kabinett aufsteigen.
12:36
Auch die wichtigen Landesgruppenvorsitzenden in der Unionsfraktion, die heißen ja die Teppichhändler, auf die kommt es ja auch an. Da habe ich gehört, dass auch er dort nicht einen sonderlich großen Rückhalt hat.
12:48
Was sind die Teppichhändler?
12:49
Also die Teppichhändler sind quasi die Landesgruppenvorsitzenden, jede Landesgruppe, Hessen... Rheinland-Pfalz, Saarland etc., die haben alle ihre Landesgruppenvorsitzenden und die machen ja auch untereinander aus, wer welchen Posten bekommt in Abstimmung mit den Fraktionschefs. Und Friedrich Merzig ist sich sehr bewusst, dass er da auch mit denen beschäftigt, sich übereinkommen muss oder zumindest absprechen muss, wer die wichtigen Posten in der Fraktion bekommen soll. Und da habe ich nur gehört, dass Carsten Lindemann wohl in dieser Runde nicht sonderlich große Unterstützung hat.
13:22
Und deswegen habe ich schon von Anfang an gedacht, das passt nicht so richtig. Und ich denke auch nicht, dass das so wirklich zu dem passt, was eigentlich so sein Profil ist. Er mag ja lieber über Inhalte zu sprechen, sich Programmatik auch auszudenken. Da ist er eigentlich gar nicht so schlecht als Generalsekretär auch.
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13:54
Tatort Deutschland ist der wöchentliche True Crime Podcast aus Deutschlands größter Polizeiredaktion.
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Ich bin Mirko Kasimir.
14:01
Ich bin Farina Kirmse.
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Und mein Name ist Stefan Netzeband. Unterstützt werden wir bei den Geschichten von Polizeireportern, Redakteuren, Experten und Augenzeugen.
14:11
Bei uns gibt es True Crime in ausführlichen Episoden, aber auf den Punkt gebracht.
14:21
Wir haben gerade schon über die Stimmung in der Fraktion gesprochen in Bezug jetzt auf den Fraktionschef. Jetzt hast du da natürlich die ganze letzte Woche recherchiert, im Fall Spahn, hast da täglich berichtet. Wie hat sich denn die Stimmung insgesamt so entwickelt? Also...
14:37
Denkt man jetzt, okay, Spahn ist als Faktionschef zurückgetreten und jetzt ist Sommer und dann wird alles besser? Oder ist das eine größere Niedergeschlagenheit, als man jetzt so wahrnimmt oder denkt?
14:52
Es waren so unterschiedliche Lager. Also es gab schon ein Lager, das große Sorge hatte. Wie wird das jetzt weitergehen? Also nicht, weil sie Jens Spahn nachgetrauert haben, sondern weil sie einfach Sorge hatten, wenn das jetzt passiert, wie geht es dann weiter? Wird das dann alles immer schlimmer? Die anderen hatten schon das Gefühl, das könnte jetzt eine große Chance sein für Friedrich Merz, jetzt auch nochmal im Kabinett richtig umzubauen. Aber niemand war jetzt so, dass er dachte, das wird auf jeden Fall alles ganz, ganz toll, weil man war ja Die sind ja sich sehr bewusst auch darüber, dass Friedrich Merz auch manchmal nicht das beste Händchen hat, wenn es um das Personal geht.
15:31
Das heißt, die Zweifel haben meiner Einschätzung nach schon ein bisschen vorgeherrscht.
15:37
Was ist mit dem Abgeordneten Jens Spahn eigentlich? Weiß man, ob er sein Mandat behalten wird? Was hörst du aus der Fraktion? Vielleicht weiß man, was da im Wahlkreis los ist, wie ist da die Lage?
15:50
Das ist jetzt echt auch schwierig abzuschätzen. Also man kann sich ja ganz schwer vorstellen, dass er dann da ein ganz normaler, einfacher Abgeordneter sitzt, nach dem, was er ja auch durchmachen musste die letzten Tage. Ist ja für Jens Spahn auch sehr schwierig, jetzt da ganz normale Parlamentarierarbeit zu machen. Man wüsste ja auch gar nicht, welche Fachthemen er dann künftig überhaupt betreuen wird. Aber ich habe jetzt nicht gehört, dass er sein Mandat abgeben möchte. Und das würde ja auch dem entgegensprechen, dass man ihm ja auch nochmal ein Comeback zutraut.
16:17
Warum traut man ihm eigentlich ein Comeback zu? Also habe ich jetzt auch gelesen und gehört, Kollege Nikolaus Blome und Jakob Ausschei haben darüber diskutiert in ihrem Podcast und Nikolaus sagt, in sechs Jahren oder was ist er wieder da.
16:30
Mein Eindruck war, wenn ich mir so auch die Medienlage anschaue in diesen Tagen, also diese, es geht ja jetzt in Anführungszeichen nicht nur um die Leihmutter-Diskussion, sondern in allen Fernsehberichten wird nochmal auf die Masken, die jetzt hingewiesen, auf die Debatte um seine Villa. Es wird darüber gesprochen, wie er während Corona aufgetreten ist. Also da wird ja nochmal alles zusammengepackt. Da gibt es Umfragen, wie die Deutschen oder wie massiv die Ablehnung ist, also diese Beliebtheitswerte.
16:58
Warum glauben manche zumindest daran, dass der auch nochmal wieder in die erste Reihe kann, bei dem auch, was da jetzt an Berichterstattung war?
17:06
Also in der CDU sagte mir jemand, der Jens Spahn auch gut kennt, Jens Spahn hat die Philosophie, wenn man Scheitert mit etwas oder man segelt runter in der Zustimmung, man kann ganz schnell auch wieder nach oben kommen.
17:22
Das ist so Volatiles in der Gesellschaft.
17:24
Genau und das ist, so hat mir das derjenige erklärt, scheint wohl bei Jens Spahn im Kopf sich verankert zu haben, auch schon seit Corona, dass man halt auch wieder schnell zurückkommen kann. Und warum glauben auch seine Parteikollegen, dass er nochmal zurückkommen will, das hängt auch mit dem Rücktrittsschreiben zusammen, weil da wird ja das Narrativ geschrieben, er musste zurücktreten wegen seines Familienlebens, wegen seines Kinderwunsches.
17:55
wo ich sagen würde, das stimmt nicht, er musste zurücktreten wegen seiner Doppelmoral, aber er versucht jedenfalls ein Narrativ zu zeichnen, das ihm auch ermöglicht, irgendwann in ein paar Jahren zu sagen, ja damals musste ich ja zurücktreten oder bin ich zurückgewichen, um meine Familie zu schützen. Das ist ja eigentlich, wenn man da jetzt ein bisschen zynischer drauf guckt, ist natürlich schrecklich, wenn er das denkt, aber es ist auch ein Anfang, um nochmal eine Erzählung zu schaffen für ein mögliches Comeback.
18:22
Und dennoch würde ich sagen, weil du Corona angesprochen hast, es gab da mal eine kurze Zeit, wo er als Gesundheitsminister dann auf Platz 1 der Beliebtheitswerte war. Und dann gingen die ganzen Diskussionen um Masken, Impfstoff, Persönliches bei ihm los. Und da ist er ja in der Beliebtheit immer weiter nach unten gegangen. Dann Oppositionszeit, da hat er sich wieder hochgearbeitet, da hast du recht. Aber in der Beliebtheit der Bevölkerung war er immer zuletzt die letzten Monate vorletzter oder letzter. Da hat sich ja nichts verändert. Deswegen fand ich es immer so erstaunlich, haben wir hier auch im Podcast schon häufig darüber gesprochen, dass er so als Nummer zwei gehandelt wurde, im Sinne von, er könnte irgendwie März gefährlich werden als Kanzlerkanäle, weil ich mich immer gefragt habe, naja, wenn man sich dort die Werte anschaut, der letzten Monate oder auch der letzten Jahre, warum sollte der gewählt werden?
19:09
Also warum sollte man jemanden dort hinsetzen an eine solche Position, der dann in den Werten dasteht, wo er steht?
19:16
Also ich habe nie geglaubt, dass Jens Spahn, wenn es den herkömmlichen Weg zu einer Kanzlerkandidatur gibt oder den herkömmlichen Weg zum Parteivorsitz und dann Kanzlerkandidatur und dann Wahl, dass er da wirklich gute Karten hätte. Also dafür ist er einfach zu unbeliebt in der Partei. Was ich mir schon vorstellen konnte, sagen wir mal bis zu dem Leihmutterschaftsskandal, weil jetzt ist es schon ein bisschen andere Situation, Und das ist jetzt Bereich der Spekulation, dass es vielleicht einen Chaos-Moment gibt in der Union, wo halt dann jemand ist wie Jens Spahn, wo die Menschen in der Partei denken, na gut, wir mögen ihn vielleicht nicht so gerne, aber vielleicht kann er uns aus diesem Chaos raushelfen, dass das seine Chance ist.
20:00
Und als Fraktionschef, das ist ja jetzt nicht mehr, wäre er da in einer guten Position gewesen gewesen.
20:07
Aber wie gesagt, wenn man sich das Rücktrittsschreiben auch einmal anguckt, dann kann man nicht daraus lesen, dass er jetzt gar keine Lust mehr auf Politik hat.
20:17
Nö, da gebe ich dir absolut recht. Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, weil zunächst ist ja erst einmal die Frage, wird er dann weiter Abgeordneter bleiben? Bislang ist er es, aber spätestens dann im September, denke ich, werden wir da mehr wissen. Und was wir auch wissen ist, Alisha, im Kanzleramt wird jetzt eine Position frei.
20:38
Was, bevor wir darüber sprechen, wer das werden könnte, ja auch interessant ist, weil ich meine, das ist die zentrale Position, Kanzleramtsminister. Wir haben über die Probleme von Thorsten Frey gesprochen, der hatte in diesen ersten Monaten ohnehin das gesamte Team. Wir haben viel über Kommunikation gesprochen, Vorbereitungen, also Polit-Handwerk, was da nicht funktioniert hat und nicht richtig funktioniert hat. Jetzt kann man einerseits sagen, genau deshalb braucht es einen Tausch oder jemand Neues auf der Position. Man könnte aber genauso argumentieren, dass jetzt zuletzt es ja einigermaßen funktioniert hat und es bei diesen Reformvorhaben jetzt eben diese Möglichkeiten gab.
21:18
Was denkst du ist dort tatsächlich passiert? Also wie ist das zu bewerten? Warum war Merz bereit zu sagen, okay, ich gebe das her?
21:30
Das hat ja in den letzten Monaten nur so gut funktioniert, weil die Fraktionschefs ja die Verhandlungen an sich gezogen haben, also die Reformverhandlungen. Und ich sehe das jetzt schon eher als Eingeständnis auch von Friedrich Merz, dass er das auch anerkennt und auch deswegen sagt, vielleicht muss ich das nochmal versuchen, wieder ein bisschen mehr zurück ins Kanzleramt zu ziehen.
21:47
Wer wird da jetzt gehandelt für diese Position? Also Kanzleramtsminister oder Kanzleramtsministerin? Du hast Nina Waken schon angesprochen. Über sie wurde auch spekuliert als Fraktion. Also was hörst du da momentan? Wer ist da im Rennen? Wer könnte das Rennen machen? Und was spricht dafür, dass nur diese eine Position neu besetzt wird? Und was spricht dafür, dass es vielleicht noch ein größeres Revirement geben könnte?
22:13
Also es gibt diverse Gerüchte darüber, dass Friedrich Merz tatsächlich ein bisschen größer umbauen möchte, also auch im Kanzleramt selbst. Es gibt ja auch beispielsweise einen Posten, der die Bund-Länder-Koordination übernimmt. Da gibt es auch Gerüchte, dass er etwas verändern will. Bei Nina Warken beispielsweise ist ja schon interessant. Die Frauenunion hat schon die Hoffnung, dass sie in den Koalitionsausschuss noch eine Frau schicken kann. Und dann müsste jetzt Nina Warken aber halt Kanzleramtschefin werden, weil sie ja jetzt nicht Fraktionsvorsitzende geworden ist.
22:44
Der Kanzleramtschef sitzt auch mit am Tisch im Koalitionsausschuss. Ob sie darauf Lust hat, da gibt es auch unterschiedliche Angaben zu, aber das war zumindest ein Versuch. Und dann gibt es natürlich noch diesen Namen Günter Krings, der ist Landesgruppenvorsitzender von NRW.
23:00
Was ist das, Landesgruppenvorsitzender?
23:02
Also das ist einer dieser Teppichhändler. Deswegen hat er auch eine gar nicht so schlechte Chancen.
23:07
Teppichhändler, weil der so wichtig in den Verhandlungen ist, richtig?
23:10
Ja, Teppichhändler, weil der mitspricht bei der Postenvergabe in der Fraktion. Da ist aber eben die Frage, würde das Markus Söder mitmachen, so jemanden, Wichtigen aus Nordrhein-Westfalen, der auch eher im Wüstlager angesiedelt ist, würde Söder das mittragen und würde das Friedrich Meers auch mittragen. Dann gibt es noch andere Namen, also beispielsweise Henrik Hoppenstedt, der kommt aus Niedersachsen, der war auch schon mal im Kanzleramt als Staatsminister, der kennt da die Abläufe, auch ein Name, der möglich ist.
23:42
Also diese drei vier Namen werden genannt.
23:45
Und was wäre, wenn eben nicht nur Kanzleramt neu besetzt würde? Also klar, es könnte ja passieren, dass ein aktueller Minister oder aktuelle Ministerin ins Kanzleramt geht, zum Beispiel Niederwagen, da müsste man Gesundheit neu besetzen, aber es gibt ja auch Spekulationen, dass zum Beispiel über plötzlich Katharina Reiche gesprochen wird und das Wirtschaftsministerium und andere Dinge, die überall, also was davon jetzt stimmt oder nicht stimmt, kann ich auch nicht sagen, aber da gibt es ganz viel, was da momentan diskutiert wird.
24:13
Also es kursieren ja auch Listen, wo ich aber sagen würde, die sind nicht sonderlich dingfest. Also da würde ich mich jetzt nicht so drauf verlassen wollen. Aber es gibt eben einige Posten im Kabinett, mit denen das Kanzleramt auch nicht sonderlich zufrieden ist. Also Frau Reiche gehört auch dazu. Ihr wird ja auch immer noch angelastet, dass sie damals bei dieser Villa-Borsig-Sitzung, dass das auch so ein bisschen mit ihre Schuld war, dass die gescheitert ist, weil sie davor diesen Streit mit Lars Klingbeil hatte. Und Friedrich Merz ist ja auch jemand, der eher nachtragend ist.
24:46
Also da kann ich mir schon vorstellen, dass das auch eine Rolle spielt. Also wie war die Performance hin zu diesem Reformpaket?
24:52
Kann Friedrich Merz, sorry, wenn ich die unterbreche, aber kann Friedrich Merz das eigentlich alles selbst entscheiden? Oder wie mächtig ist er gerade zu sagen, ich will jetzt, weiß ich nicht, noch zwei weitere Ministerien austauschen? Oder wer redet dann damit? Oder würde dann Markus Söder sagen oder andere Landesvorsitzende? Moment mal, bis hierhin und nicht weiter. Also wie wird das so ausgeschachert? Und Friedrich Merz ist ja nicht bekannt dafür, dass er wahnsinnig gut die Kontakte so hält und diese Telefondiplomatie so beherrscht, wie zum Beispiel Jens Spahn oder auch Angela Merkel früher.
25:20
Ich glaube, das ist jetzt so, dass da ganz, ganz viele Telefonate reinkommen, weil natürlich jeder mitreden will und irgendwie Vorschläge, Ideen hat. Er muss ja auch telefonieren selbst, weil er muss natürlich auch Meinungen zu verschiedenen Personen abfragen. Und ganz wichtig ist ja auch das Thema Proports. Also wenn sich ein Landesverband nicht ausreichend berücksichtigt fühlt oder ein Minister verliert, dann wird er sagen, aber da möchten wir an der und der Stelle aber berücksichtigt werden. Das muss ganz schwierig sein, diese ganzen unterschiedlichen Interessen irgendwie Friedrich Merz ist aber ja schon jemand, dem nachgesagt wird, dass er gerne von oben agiert, also diese CEO-Mentalität hat.
25:57
Und ich kann mir trotzdem gut vorstellen, dass wenn er eine Idee hat, dass er sagt, so möchte ich das jetzt machen. Und bei Thorsten Frei war das ja vielleicht auch so. Also ich weiß es noch nicht ganz, aber wenn man diesen Markus-Söder-Satz liest, ich unterstütze den Vorschlag von Friedrich Merz, liest man ja schon heraus, das war die Merz-Idee und Söder hat sich dann gefügt.
26:16
Hochspannend, wie das da alles ausdiskutiert wird und wie es hin und her geht. Wovon gehst du aus? Eher kleinerer Umbau oder ganz großer Umbau? Und wir sehen komplett, also nicht komplett, aber teils neue Regierungen da.
26:32
sehr schwierig zu sagen. Also ich gehe jetzt eher von einem kleineren Umbau aus, auch aus dem Grund, dass Friedrich Merzer immer auch im Blick haben muss, dass er nur eine Zwölfstimmenmehrheit hat. Das heißt, er kann sich zwölf Abweicher leisten und mehr auch nicht. Und je mehr Minister, Ex-Minister oder Abgeordnete er vergrämt, desto gefährlicher ist es, diese Mehrheit irgendwie zusammenzuhalten. Also, dass sie dann Rache haben. Ja, dass sie dann einfach keine Lust mehr haben, mitzumachen.
27:02
Bei Angela Merkel war das ja so, dass die Mehrheit war viel, viel dicker. Und da gab es einige, die da gesessen haben, ich mache das einfach nicht mehr hier. Das kann sich Friedrich Merz halt einfach nicht leisten. Das ist auch immer etwas, was dann im Hinterkopf ist.
27:16
Weiß man eigentlich, was die SPD gerade so denkt? Also Matthias Miersch, der Fraktionschef, der sich ja mit Jens Spahn sehr gut verstanden haben soll, sind damals zusammen nach Kiew und Miersch hat ihn, hat sich sehr lobend über die Zusammenarbeit geäußert, hört man auch aus der SPD, dass die beiden da zusammen eben sehr wichtig waren. Also wie blickt die SPD gerade auf diese Chaos-Tage in der Union?
27:38
Man könnte ja meinen, dass die SPD da so ein bisschen Schadenfreude hat. Endlich mal sind die anderen irgendwie in den Schlagzeilen.
27:44
Lars Klingbein hat es aber trotzdem geschafft, mit der Rolex in die Schlagzeilen zu kommen.
27:49
Aber für die SPD ist das auch eine sehr heikle Situation. Also die weiß genau, dass sie auch die Wahlen bald haben werden. In Mecklenburg-Vorpommern möchte sie Ja, auch Manuela Schwesig weiter Ministerpräsidentin bleiben. Also die können das genauso wenig gebrauchen, dass jetzt wieder dieser Eindruck steht, oh in Berlin, da drehen sich alle nur um sich selbst und das ist wieder so ein Chaos. Und Manuela Schwesig, aber auch Sven Schulz und alle, die dort Wahlkampf machen, müssen sich dann wieder Fragen gefallen lassen über Berlin. Also die wollen auch, dass da jetzt schnell Ruhe reinkommt, dass man dann auch weitermachen kann.
28:19
Das eine ist die Debatte um jetzt die neuen Minister, was ansteht, worüber wir geredet haben. Und dann gibt es noch eine weitere Debatte, die heute aufgekommen ist, über die ich auch noch mit dir sprechen möchte, nämlich wieder eine Brandmauer-Debatte. Ausgelöst von Sachsens Ministerpräsident und CDU-Vize Michael Kretschmer in einem Handelsblatt-Interview. Und ich lese einmal die ganze Passage vor, damit es nicht heißt, wir würden hier irgendwas weglassen. Also die Frage.
28:50
Sie meinen Ihren Konsultationsmechanismus, den Sie eingeführt haben? Der Konsulat... Mein Gott.
28:59
Konsulationsmechanismus wendet sich an alle Fraktionen und alle Abgeordneten. Jeder hat die Möglichkeit, seine Position einzubringen. Jeder bekommt die Unterlagen, die Gesetzesinitiativen. Frage, auch die AfD? Antwort, die AfD ist die einzige Fraktion, die von vornherein gesagt hat, wir beteiligen uns nicht. Wir wollen, dass diese Regierung scheitert. Eine Partei wie die AfD schadet dem Land. Frage, ist es da richtig, von einer Brandmauer zu reden, hinter der die Partei sich verstecken kann?
29:29
Antwort, wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will. Bevor wir auf die Aussage kommen, was ist der Konsolutationsmechanismus, über den ich so sprachlich stolpere alle? Schaut, da reden wir über die Brandmauer.
29:45
Der Konsultationsmechanismus, das ist etwas, was sich Michael Kretschmer ausgedacht hat, weil er ja in Sachsen regiert mit der SPD in einer Minderheitsregierung und sie brauchen aber dann ja für Gesetze und für den Haushalt Mehrheiten und da werden dann halt eben Regierungsvorhaben frühzeitig an die Opposition verschickt und dann wird halt geschaut, welche Änderungswünsche hätten die, wie kann man in Verhandlungen treten, damit am Ende eine Mehrheit rauskommt.
30:13
Verstanden. Also es geht da um die Mehrheit. Dann lass uns über die Brandmauer-Antwort sprechen. Ich lese nochmal vor. Antwort auf die Frage, ist es da richtig, von einer Brandmauer zu reden, hinter der die Partei sich verstecken kann? Antwort, Kretschmer, wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will. Wie verstehst du diese Aussage?
30:33
Also als ich das gelesen habe, musste ich schon echt schlucken, weil ich so dachte, okay, was bedeutet das jetzt eigentlich genau für die CDU? Also man denkt dann ja sofort, jetzt fangen sie an mit der AfD zusammenzuarbeiten und ihren Beschluss und Vereinbarkeitsbeschluss zu schleifen.
30:48
Ich meine, dass er einfach die Realitäten ausspricht, die es beispielsweise in Sachsen-Anhalt geben könnte. Also er baut vor für etwas, was dort wahrscheinlich passieren wird, nämlich dass die AfD dort stärkste Kraft wird und man womöglich, und das ist ja ein Szenario, gar nicht mehr um die AfD herum noch eine Mehrheit findet. Und dann steht die Union ja vor der Frage, wie gehen wir dann damit um?
31:14
helfen wir dann der AfD auch Mehrheiten zu finden oder nicht? Und wie ich, ich verstehe ihn jetzt so, dass er sagt, man muss zumindest mal darüber reden.
31:23
Hast du aus der CDU dazu was gehört?
31:25
Also in der CDU gibt es ja so und so. Also da gibt es natürlich in den westdeutschen Verbänden viele, die das ablehnen, die auch übrigens sagen, warum reden wir die ganze Zeit über die AfD? Auch Sven Schulze in Sachsen-Anhalt hat keinen Spaß daran, der CDU-Spitzelkandidat, Ministerpräsident, dass immer nur über die AfD geredet wird. Aber es gibt andere, die sagen, er hat ja recht mit der Brandmauer. Also dieser Begriff Brandmauer, der wird eigentlich in weiten Teilen der CDU mittlerweile abgelehnt.
31:56
Aber Friedrich Merz ja nicht. Also der sagt ja immer wieder, dass die Brandmauer steht.
32:02
Er sagt, wir arbeiten nicht mit der AfD zusammen, aber der Begriff Brandmauer, den gefällt er auch nicht mehr. Also den will er auch nicht mehr nutzen. Da gibt es jetzt einen Unterschied.
32:10
Wie wollen wir das benennen? Weil ein großer Teil der CDU sagt, wenn wir die ganze Zeit von Brandmauer reden, kann sich halt die AfD dahinter verstecken.
32:19
Aber gut, auch wenn Friedrich Merz den Begriff nicht mehr nutzt, er will ja weiterhin keinerlei Zusammenarbeit und auch es gibt einen Parteitagsbeschluss, der das aussagt. Wenn jetzt Kretschmer sagt, wir müssen mit jedem reden, der reden will, dann setzt er sich doch auch über den Parteitagsbeschluss hinweg am Ende, oder?
32:36
Er setzt sich ja jetzt schon darüber hinweg und übrigens auch Mario Vogt in Thüringen, dort der Ministerpräsident, weil eben auch mit der Linken gesprochen wird. Das ist auch nicht erlaubt durch diesen Beschluss. Aber ich glaube, es geht tatsächlich um dieses eine Szenario. Das müssen wir sich ja einmal kurz vorstellen. Sagen wir mal, die AfD gewinnt die Wahl in Sachsen-Anhalt mit großer Mehrheit.
33:00
Großheim, also sie gewinnt, sie hat nicht die absolute Mehrheit, aber sie könnte sich trotzdem zum Ministerpräsidenten wählen lassen, also Herr Siegmund dort. Hat aber eine Minderheitsregierung. Dann könnte es ja dazu kommen, dass die CDU gefragt wird, aber auch die anderen Parteien, die reinkommen.
33:18
Wir wollen jetzt einen Landeshaushalt aufstellen. Was macht ihr? Helft ihr uns jetzt? Da will ich mal sehen, dass die Union sich da komplett verweigern kann. Also ich verstehe, dass dann die reine Lehre funktioniert dann einfach nicht mehr. Und dann steht man ja vor der Frage...
33:33
Sorgt man dafür, dass dieses Bundesland keinen Haushalt mehr hat, nicht mal so gut funktioniert oder muss man doch mal mit denen reden? Und ich habe da riesige Bauchschmerzen. Ich möchte auch nicht, dass mit der AfD zusammengearbeitet wird. Aber ich glaube, dass Michael Kretschmer versucht, da so ein bisschen eine Debatte anzustoßen. Leute, die reine Lehre, unser Parteitagsbeschluss ist schön und gut, aber wir leben in ganz anderen Realitäten in Ostdeutschland.
33:58
Aber warum macht er das jetzt? Also es ist ja kurz vor diesen Wahlen. Das kann man sich wirklich fragen. Warum jetzt? Der ist der mächtigste Ostministerpräsident. Die Wahlen in Sachsen-Anhalt sind in wenigen Wochen und Megbom auch. Also was ist da das Kalkül? Ich verstehe es noch nicht so ganz, weil...
34:18
Er spricht damit ja diejenigen auch nicht wirklich an, die jetzt vielleicht schwanken zwischen CDU und AfD, weil die anderen ja nicht mitmachen. Also sagt ja keiner, jawohl, Kretschmann hat recht, wir machen jetzt hier mit der AfD. Also ich verstehe die Strategie nicht so ganz.
34:35
Ja, das ist strategisch, glaube ich, auch nicht so wirklich klug, also weil man halt auch erst mal viel mehr über die AfD redet und weil das ja auch immer auslöst, glaube ich, dann bei Leuten, die schwanken zwischen AfD und CDU. Na, dann können wir ja die AfD wählen, weil die reden ja doch mit denen. Also das halte ich schon auch für gefährlich. Ich kann mir vorstellen, dass ein Punkt bei ihm auch eine Rolle spielt, nämlich wie ehrlich spricht man über die Lage, Also die Ost-CDU hat ja ohnehin immer das Gefühl, dass die West-CDU sie nicht richtig versteht und dass er deswegen versucht, mal klare Worte zu finden dafür, was womöglich notwendig sein wird.
35:13
Es gibt noch eine Aussage von Michael Kretschmer, die mir aufgefallen ist, und zwar über die Koalition. Zitat, die Menschen müssen endlich erleben, dass sich etwas ändert. Deshalb gilt, die Bundesregierung muss endlich Tempo machen. Ansonsten sehe ich bei der nächsten Bundestagswahl schwarz.
35:29
Da sagt also ein wichtiger CDU-Ministerpräsident, alles, was ihr bis jetzt gemacht habt, reicht nicht mal ansatzweise. Zeigt das ein bisschen, dass die schwarz-rote Koalition mit ihren Reformerfolgen bislang nicht einmal die eigenen Leute überzeugt hat?
35:44
Michael Kretschmer ist jemand, der sagen würde, dass die Reform überhaupt nicht ausreichen. Also der ist ja auch, was den Arbeitsmarkt angeht, da viel konservativer unterwegs. Er hätte sich viel weitreichendere Maßnahmen, denke ich, vorstellen können.
35:57
Was hier auch eine Rolle spielt, ist, dass sich leider gerade in den Ländern auch durchsetzt, dass wenn man gegen den Bund Politik macht oder zumindest argumentativ Politik macht, dass das einem helfen kann. Also diese Anti-Bund-Stimmung, dass er das einfach auch für sich nutzen will, das spielt ja auch eine Rolle.
36:17
Und sonst ist ja Michael Kretschmer tatsächlich auch jemand, der auch einfach sein Ding macht. Also der ist zwar im CDU-Präsidium, der ist CDU-Vize, aber so wirklich einhegen kann ihn, glaube ich, niemand. Und das versucht auch keiner mehr so richtig. Und das ist halt auch ein Teil davon, dass er auch einfach sich selbst auch gerne sieht als jemand, der auch mal gegen den Strom schwimmt.
36:40
Wie findet das Friedrich Merz, wenn so ein Kretsch mal um die Ecke kommt und sagt, also Brandmauer, wieso redet ihr da noch so drüber und dann auch noch sagt, war alles nichts mit den Reformen?
36:49
ja, das ist ja das Schlimmste eigentlich, was passieren kann, wenn die eigenen Leute das nicht mal wirklich gut verkaufen. Also das Kanzleramt hat ja wirklich versucht, bei diesen Reformen so das Beste rauszuholen, gemeinsam mit den Fraktionen und dann ist es natürlich besonders schadhaft, wenn die eigenen Leute, das war auch bei der SPD übrigens so und bei Manuela Schwesig, quasi am nächsten Tag schon rauskommen und sagen, nee, das ist nicht das Richtige oder das ist falsch und Also Friedrich Merz ist ja immer der Meinung, wir müssen auch selber mal über unsere Erfolge reden, dann verstehen das die Leute auch da draußen.
37:23
Das funktioniert halt nicht, wenn die Länder nicht mitmachen.
37:26
Und Friedrich Merz hat sich ja gerade erst im Sommerinterview geäußert. Wurde ich hier in den Kommentaren stark für kritisiert, dass ich das zu kritisch gesehen hätte und so da geschimpft hätte. Kritik angekommen hier an alle Hörerinnen und Hörer. Ich lese tatsächlich die Kritik.
37:42
Aber deswegen die Frage an dich. Also Friedrich Merz hat dort ja die Medien kritisiert und gesagt, ihr nehmt immer nur das Negative und dann kann ja auch keine positive Stimmung in Deutschland entstehen. Und jetzt kommt der eigene Ministerpräsident ja einen Tag oder zwei Tage nach diesem Sommerinterview und sagt, das war alles nichts. Das ist ja echt verrückt, oder?
38:03
Ja, das ist ja auch das, was man dann auch selbst als Journalistin versucht dann auch, in der Partei mal zu erklären, weil das ist ja ein Vorwurf, den kriegt man ja immer wieder. Du auch. Ja, jetzt nicht irgendwie vom Kanzleramt, aber auch aus der Union. Ja, ihr berichtet immer so schlecht über uns. Und dann sage ich, wir berichten das, was ist. Also was soll ich schreiben, wenn in der Unionsfraktion jeder schimpft über XYZ oder über das und das Thema...
38:29
Und die Abgeordneten, also zumindest mein Eindruck, die schimpfen ja teilweise noch viel heftiger, als die Kommentare in den Medien aussehen. Also wie die über den Kanzler reden, also wenn man das so, also im Hintergrund natürlich nicht im Ordnung, weil sie sich nicht mit dem Kanzler verscherzen wollen. Aber wie geht es dir da, was hörst du da in der Fraktion, wie da momentan über Friedrich Merz geredet wird?
38:51
Ich habe das Gefühl, Friedrich Merz hat eigentlich seine Machtbasis komplett verloren und dass er komplett isoliert ist in der CDU. Also er ist Bundeskanzler, er ist irgendwie CDU-Chef ja auch noch, aber er hat keinerlei Machtbasis. Es gibt kein Zutrauen in ihn, dass er das irgendwie...
39:07
noch gut hinbekommt und auch Thema zweiter Amtszeit sagen die meisten, nee, also bitte nicht. Das ist schon eine sehr, sehr erstaunliche Entwicklung, weil das ja echt wirklich sehr, sehr schnell ging. Er war ja der Kandidat der Basis auch lange. Die Basis wollte immer Friedrich Merz als Parteichef und auch als Kanzler. Und er hat aber halt die Basis und auch die Abgeordneten, die ja von der Basis immer ganz viel hören, in sehr schneller Zeit verloren. Und Jungs sagte mir jemand aus der CDU, möglicherweise ist dieser Point of No Return auch schon erreicht, also dass er das gar nicht mehr retten kann.
39:43
Das kann ich nicht beurteilen, das wird man erst noch sehen, aber die Gefahr ist da.
39:47
Aber wenn es so negativ ist und du hast das gerade zitiert, wie geht man denn dann jetzt in diese Wahlen in den Herbst und also dieses Positive, was ja Friedrich Merz da herausgestellt hat und sagt, wieso redet nicht Positive, also dann scheint es ja eine komplette Entkopplung zwischen dem zu geben, wie Friedrich Merz da auftritt und den Abgeordneten oder... Was sagen die Vertrauten von Friedrich Merz, wenn man sie damit konfrontiert? Die können ja nicht alle irgendwie auf einem anderen Planeten leben. Die müssen ja mitbekommen, wie die Fraktion da redet und erzählt man das Friedrich Merz lieber nicht.
40:19
Ich weiß gar nicht, ob tatsächlich das so ankommt manchmal, weil ja die Abgeordneten, habe ich manchmal den Eindruck, mit uns etwas offener reden tatsächlich als auch mit dem Kanzler. Also bei der Fraktion, es gibt ja diese Fraktionssitzung immer in der Sitzungswoche am Dienstag, da redet ja auch der Kanzler und er macht dann so einen Abriss meistens so von der Außenpolitik in die Innenpolitik.
40:44
Und was man da jedenfalls hört, ist, dass das nie so wirklich überzeugt. Also das muss er dann ja schon merken, wenn dann der Applaus nicht so groß ist und so. Aber ich denke, die Hoffnung ist halt noch da, dass man das Ruder nochmal rumreißen kann. Und ich fand diese Woche das, was Sven Schulze wie der Sachsen-Anhalt gesagt hat, ja sehr bezeichnend. Er will einfach mal Wahlkampf machen ohne diese ganzen Berliner Themen. Ich denke, er hat das Gefühl, er muss einfach komplett alleine Wahlkampf machen und die AfD bekämpfen in Sachsen-Anhalt und dass ihm da halt keiner wirklich hilft.
41:14
Aber gut, wie soll das gehen ohne Berliner Themen? Ich meine, die betreffen nun mal das ganze Land, oder? Du bist ja nicht irgendwie... Ich glaube, es wäre gute Berliner Themen für ihn.
41:23
Irgendwelche guten Themen.
41:24
Ja, dann schauen wir mal, ob das klappt. Alicia, vielen, vielen Dank, dass du trotz eines langen Tages und intensiver Recherche noch bei uns warst. Hat einen großen Spaß gemacht. Vielen Dank.
41:34
Sehr gerne.
41:36
Danke, dass ihr wieder zugehört habt. Vielen Dank auch für das viele Feedback auf ronsheimer.tv. Da findet ihr auch alle meine Social Media Accounts, wo ihr mich persönlich kontaktieren könnt. Das glauben manchmal die Leute gar nicht, aber ich schaue mir die Kommentare tatsächlich selbst an. Und ich bitte darum, lasst weiter Likes da bei Spotify, Apple, wo auch immer ihr den Podcast hört. Bei YouTube natürlich, wo ihr den Podcast auch sehen könnt. Und ich freue mich, wenn ihr uns abonniert und das hilft uns wirklich sehr.
42:10
Und ich bedanke mich natürlich in erster Linie bei meinem großartigen Team, bei Philipp Jatov in der Redaktion, bei Lieven Jenrich in der Produktion und natürlich an meinen Producer Daniel van Moll. Herzlichen Dank und alles Liebe.